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Ratgeber

PV-Überschussladen: Das E-Auto mit Solarstrom laden.

Mindestleistung 1,4 bzw. 4,1 kW, Phasenumschaltung, Lademodi und realistischer Solaranteil beim Laden – so holen Sie mehr eigenen Strom ins Elektroauto.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
PV-Überschussladen: Das E-Auto mit Solarstrom laden

Ein Elektroauto ist für eine Photovoltaikanlage der ideale Abnehmer: großer Akku, flexibler Ladezeitpunkt, hoher Jahresverbrauch. Bei 12.000 Kilometern im Jahr braucht ein Mittelklasse-Stromer rund 2.000 bis 2.500 kWh – so viel wie ein kleiner Haushalt. Wird ein guter Teil davon mit eigenem Solarstrom geladen, verbessert das die Wirtschaftlichkeit der Anlage deutlich.

Damit das funktioniert, reicht eine gewöhnliche Wallbox nicht. Sie lädt mit fester Leistung, egal ob gerade die Sonne scheint oder eine Wolke durchzieht. PV-Überschussladen bedeutet, dass die Ladeleistung laufend an den aktuell verfügbaren Solarstrom angepasst wird.

Das Prinzip in drei Sätzen

Ein Zähler am Netzanschlusspunkt misst, wie viel Strom gerade eingespeist würde. Diese Information erhält die Wallbox direkt oder über einen Energiemanager. Sie regelt die Ladeleistung so, dass möglichst genau der Überschuss ins Auto fließt und weder eingespeist noch aus dem Netz bezogen wird.

Die physikalische Untergrenze

Fahrzeuge laden nach Norm mit mindestens sechs Ampere Ladestrom. Daraus ergibt sich eine Mindestleistung, unter der die Wallbox nicht regeln kann:

LadeartMindestleistungHöchstleistung (16 A)
einphasigca. 1,4 kWca. 3,7 kW
dreiphasigca. 4,1 kWca. 11 kW

Bei dreiphasigem Laden braucht es also mindestens 4,1 kW Überschuss – nach Abzug des Hausverbrauchs. Eine 8-kWp-Anlage liefert das im Sommer mittags zuverlässig, im Frühjahr und Herbst nur stundenweise, im Winter selten. Deshalb sind Wallboxen mit automatischer Phasenumschaltung für Überschussladen deutlich besser geeignet: Bei wenig Sonne laden sie einphasig ab 1,4 kW, bei viel Sonne dreiphasig. Ohne Umschaltung bleibt in der Übergangszeit ein großer Teil des Potenzials ungenutzt.

Ein Hinweis zu Fahrzeugen: Manche Autos vertragen häufiges Umschalten zwischen ein- und dreiphasig schlecht oder brechen die Ladung ab. Das prüfen wir vor der Auswahl der Wallbox anhand des konkreten Modells.

Wolken und Regelträgheit

An Tagen mit wechselnder Bewölkung schwankt der Überschuss innerhalb von Minuten um mehrere Kilowatt. Eine Regelung, die jeder Schwankung sofort folgt, schaltet die Ladung ständig ein und aus – das belastet Schütze und Fahrzeug. Gute Systeme glätten deshalb über ein bis fünf Minuten und erlauben kurzen Netzbezug, bevor sie die Ladung pausieren. Die Einstellung ist ein Kompromiss zwischen Solaranteil und ruhigem Ladeverlauf, den wir bei der Inbetriebnahme mit Ihnen festlegen.

Lademodi, die sich bewährt haben

  • Nur Überschuss: Das Auto lädt ausschließlich mit Solarstrom. Maximal günstig, aber nicht planbar.
  • Überschuss mit Mindestladung: Es wird immer mit mindestens 1,4 oder 4,1 kW geladen, der Rest kommt aus dem Netz. Sinnvoll, wenn das Auto bis zum Nachmittag einen bestimmten Ladestand braucht.
  • Zielladung: Bis zu einem Zeitpunkt soll ein Ladestand erreicht sein; bis dahin wird Überschuss genutzt, fehlende Energie am Ende aus dem Netz ergänzt.
  • Sofortladen: volle Leistung unabhängig von der Sonne, für den Fall, dass es schnell gehen muss.

Was das im Jahr bringt

Wie viel Solarstrom tatsächlich im Auto landet, hängt vor allem davon ab, ob das Fahrzeug tagsüber zu Hause steht. Grobe Erfahrungswerte für ein Einfamilienhaus mit 10 kWp:

  • Auto überwiegend tagsüber zu Hause (Homeoffice, Zweitwagen): 50 bis 70 Prozent Solaranteil am Ladestrom
  • Auto nur am Wochenende und abends da: 20 bis 35 Prozent
  • ohne Überschussregelung, Laden nach Feierabend: oft unter 15 Prozent

Rechnet man 2.200 kWh Ladebedarf und einen Solaranteil von 50 Prozent, werden 1.100 kWh eigener Strom statt Netzstrom verwendet. Bei einer Differenz von etwa 20 bis 25 Cent zwischen Netzbezug und Einspeisevergütung sind das rund 220 bis 275 Euro im Jahr – für die Mehrkosten einer überschussfähigen Wallbox gegenüber einer Standardbox ein gutes Verhältnis.

Hausspeicher und Auto: wer bekommt den Strom zuerst?

Gibt es zusätzlich eine Batterie im Haus, muss festgelegt werden, wer Vorrang hat. Meist ist es sinnvoll, vormittags zuerst den Hausspeicher zu füllen und danach das Auto. Umgekehrt darf der Hausspeicher nicht in das Auto entladen werden – sonst wandert Solarstrom mit Verlusten von einer Batterie in die andere. Diese Regeln setzt ein Energiemanager um, siehe Energiemanagementsystem. Wie groß der Hausspeicher bei vorhandenem E-Auto sein sollte, steht unter Stromspeicher: sinnvolle Größe.

Anmeldung und Netzbetreiber

Wallboxen bis 11 kW müssen beim Netzbetreiber angemeldet werden, Wallboxen über 11 kW sind genehmigungspflichtig. Seit 2024 neu installierte Wallboxen mit mehr als 4,2 kW gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG: Der Netzbetreiber darf die Leistung in Ausnahmesituationen zeitweise drosseln, dafür sinken die Netzentgelte. Für die Überschussregelung ändert sich dadurch in der Praxis wenig, die Steuerung muss aber beide Signale verarbeiten können. Ob der vorhandene Zählerschrank die zusätzliche Last aufnimmt, klären wir vorab – siehe Zählerschrank erneuern.

Firmenwagen und Abrechnung

Wer einen Dienstwagen zu Hause lädt und den Strom mit dem Arbeitgeber abrechnet, braucht in der Regel eine Wallbox mit geeichtem Zähler (MID, für eichrechtskonforme Abrechnung teils mehr). Das sollte vor dem Kauf feststehen.

Der nächste Schritt ist das bidirektionale Laden, bei dem das Auto Strom auch ins Haus zurückgibt – der aktuelle Stand steht unter Bidirektionales Laden.

Wir planen Wallbox, Überschussregelung und Photovoltaik als ein System und prüfen die Kompatibilität mit Ihrem Fahrzeug. Mehr zur Leistung unter Wallbox & E-Mobilität – oder Anfrage stellen.

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