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Ratgeber

Wie lange halten Solarmodule und wie stark altern sie?

Degradation pro Jahr, garantierte Restleistung, Nutzungsdauer von Modulen, Wechselrichter und Speicher – und was Produkt- und Leistungsgarantie abdecken.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Wie lange halten Solarmodule und wie stark altern sie?

Solarmodule haben keine beweglichen Teile, und doch altern sie. Die Leistung nimmt über die Jahre langsam ab – ein Vorgang, der Degradation heißt und in jeder seriösen Wirtschaftlichkeitsrechnung berücksichtigt wird. Die gute Nachricht: Bei aktuellen Modulen ist der Verlust gering und gut vorhersehbar. Die weniger bekannte Nachricht: Die Lebensdauer einer Anlage wird selten von den Modulen begrenzt, sondern von anderen Bauteilen und von der Qualität der Montage.

Wie schnell Module an Leistung verlieren

Man unterscheidet zwei Phasen. Im ersten Betriebsjahr tritt eine einmalige, lichtinduzierte Anfangsdegradation auf. Danach folgt eine langsame, annähernd lineare Alterung. Die Hersteller geben beides in ihrer Leistungsgarantie an:

ModultypVerlust im 1. Jahr (Garantie)jährlicher Verlust danach (Garantie)garantierte Restleistung
PERC, Glas-Foliemax. ca. 2 %max. ca. 0,45–0,55 %ca. 84–85 % nach 25 Jahren
TOPCon, Glas-Foliemax. ca. 1–1,5 %max. ca. 0,4 %ca. 87–89 % nach 25 bzw. 30 Jahren
TOPCon oder HJT, Glas-Glasmax. ca. 1 %max. ca. 0,35–0,4 %ca. 87–89 % nach 30 Jahren

Das sind garantierte Höchstwerte. Die tatsächlich gemessene Degradation gut gefertigter Module liegt in Langzeitstudien häufig darunter, im Mittel bei etwa 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr. Einzelne Serien fallen aber auch deutlich schlechter aus – deshalb zählt der Hersteller und seine Garantiepraxis.

Was das in Kilowattstunden bedeutet

Eine 10-kWp-Anlage in München, die im ersten Jahr 10.800 kWh liefert, erzeugt bei 0,4 Prozent jährlicher Degradation im zehnten Jahr noch gut 10.400 kWh und im 25. Jahr etwa 9.800 kWh. Über 25 Jahre summiert sich der Verlust auf rund 5 Prozent der Gesamterzeugung. Für die Amortisation ist das ein kleiner Faktor – kleiner als die Frage, wie gut die Anlage geplant ist.

Was Module altern lässt

  • UV-Strahlung lässt Einbettungsfolien und Rückseitenfolien langsam vergilben oder verspröden.
  • Feuchtigkeit dringt bei Glas-Folie-Modulen über Jahrzehnte ins Laminat und kann Kontakte korrodieren lassen. Glas-Glas-Aufbauten sind hier deutlich dichter.
  • Temperaturwechsel zwischen Frostnacht und Sonnentag belasten Lötverbindungen und Zellverbinder.
  • Mechanische Last durch Schnee, Wind und unsachgemäßes Betreten kann Mikrorisse verursachen, die sich über Jahre ausweiten. In schneereichen Lagen spielt das eine größere Rolle, siehe Photovoltaik im Winter und bei Schnee.
  • Potenzialinduzierte Degradation (PID) entsteht durch Spannungsunterschiede zwischen Zellen und geerdetem Rahmen. Moderne Module sind weitgehend PID-resistent, bei älteren Anlagen war das ein häufiger Grund für starke Verluste.

Die Zelltechnik beeinflusst mehrere dieser Faktoren. Einen Überblick gibt der Beitrag Solarmodul-Arten.

Lebensdauer der ganzen Anlage – Bauteil für Bauteil

Die Frage „Wie lange hält eine PV-Anlage?“ lässt sich nur bauteilweise ehrlich beantworten:

BauteilRealistische NutzungsdauerBemerkung
Solarmodule30 Jahre und mehrdanach meist noch 80 % Leistung oder mehr
Unterkonstruktionso lange wie die ModuleAluminium und Edelstahl; Montagequalität entscheidend
Wechselrichterca. 12–20 Jahremindestens ein Tausch einplanen
Stromspeicher (LFP)ca. 15–20 Jahre bzw. 6.000 und mehr VollzyklenKapazität sinkt schrittweise
Steckverbinder, Kabellange, wenn fachgerecht montiertgemischte Steckerfabrikate sind eine häufige Fehlerquelle

Der Wechselrichter ist damit das Verschleißteil, das in der Kalkulation berücksichtigt werden sollte. Welche Bauart wie lange hält und was ein Tausch kostet, beschreiben die Beiträge Wechselrichter-Arten und Wechselrichter defekt.

Garantie ist nicht gleich Garantie

Bei Modulen gibt es zwei getrennte Zusagen, die oft vermischt werden. Die Produktgarantie deckt Material- und Verarbeitungsfehler ab – etwa delaminierte Folien, defekte Anschlussdosen oder gebrochenes Glas ohne äußere Einwirkung. Sie läuft je nach Hersteller 12 bis 25 Jahre. Die Leistungsgarantie sichert eine Mindestleistung über 25 oder 30 Jahre zu. Um sie in Anspruch zu nehmen, muss ein Leistungsverlust nachgewiesen werden, in der Regel durch Messung eines unabhängigen Prüfers. Das ist aufwendig und lohnt sich nur bei deutlichen Abweichungen.

Beide Garantien sind nur so viel wert wie der Hersteller, der sie in 20 Jahren noch erfüllen kann. Eine europäische Niederlassung und ein Ansprechpartner beim Installateur, der den Garantiefall abwickelt, sind im Ernstfall hilfreicher als ein zusätzliches Garantiejahr auf dem Papier.

Woran Sie Alterung im Betrieb erkennen

Degradation selbst merkt man im Alltag kaum, weil sie von Jahr zu Jahr unter den Wetterschwankungen liegt. Ein sprunghafter Rückgang um mehrere Prozent, ein einzelner String, der deutlich hinter den anderen zurückbleibt, oder Verfärbungen und Schneckenspuren auf den Modulen deuten dagegen auf einen Defekt hin. Monitoring mit Vergleich der Vorjahre und eine regelmäßige Sichtprüfung sind die beste Vorsorge. Welche Prüfungen sinnvoll sind, beschreibt der Beitrag Photovoltaik-Wartung und Prüfung.

Nach 20 Jahren ist nicht Schluss

Die EEG-Vergütung endet nach 20 Jahren plus Inbetriebnahmejahr, die Module arbeiten weiter. Viele Anlagen laufen danach als reine Eigenverbrauchsanlage mit neuem Wechselrichter und gegebenenfalls Speicher. Was dann wirtschaftlich sinnvoll ist, erklärt der Beitrag Photovoltaik nach 20 Jahren.

Wenn Sie die Leistung Ihrer bestehenden Anlage prüfen lassen möchten oder Unterstützung bei einem Garantiefall brauchen, übernehmen wir das im Rahmen von Wartung und Service. Anfrage stellen

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