Zwischen November und Februar schauen viele Anlagenbetreiber enttäuscht auf ihre App: An manchen Tagen stehen dort nur ein paar Kilowattstunden, an verschneiten Tagen gar nichts. Das ist normal und in keiner seriösen Ertragsprognose anders angenommen. Trotzdem lohnt es sich, den Winter genauer zu betrachten – besonders in München und im Alpenvorland, wo Schnee nicht nur den Ertrag, sondern auch die Statik betrifft.
Wie viel Ertrag der Winter realistisch bringt
Die Tage sind kurz, die Sonne steht mittags in München im Dezember nur rund 20 Grad über dem Horizont, und Hochnebel liegt oft tagelang über der Stadt. Entsprechend klein ist der Anteil der Wintermonate am Jahresertrag:
| Monat | Anteil am Jahresertrag (Richtwert, Süd 30°) | Beispiel 10-kWp-Anlage |
|---|---|---|
| November | ca. 3–4 % | ca. 300–450 kWh |
| Dezember | ca. 1,5–2,5 % | ca. 150–280 kWh |
| Januar | ca. 2–3 % | ca. 200–350 kWh |
| Februar | ca. 4–5 % | ca. 400–550 kWh |
| zum Vergleich: Juni | ca. 12–14 % | ca. 1.250–1.550 kWh |
Die Spanne ist groß, weil einzelne Winter sehr unterschiedlich ausfallen: Ein sonniger, schneearmer Januar kann das Doppelte eines trüben bringen. Für die Wirtschaftlichkeit ist der Winter trotzdem nachrangig – entscheidend sind März bis Oktober.
Kälte ist kein Nachteil
Solarmodule arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter. Pro Grad unter 25 °C Zelltemperatur steigt die Leistung um rund 0,3 bis 0,4 Prozent. An klaren, kalten Tagen mit Sonne auf einer frischen Schneedecke in der Umgebung erreichen Anlagen deshalb gelegentlich überraschend hohe Momentanleistungen, im Frühjahr teils sogar über der Nennleistung. Das begrenzende Problem im Winter ist also nicht die Kälte, sondern die geringe Lichtmenge. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Modulwirkungsgrad und kWp.
Schnee auf den Modulen
Rutscht er von allein?
Auf glatten Glasflächen mit mindestens 25 bis 30 Grad Neigung rutscht Schnee meist innerhalb von ein bis drei Tagen ab, sobald etwas Sonne oder Tauwetter kommt. Die dunklen Module erwärmen sich schon bei diffusem Licht, von unten bildet sich ein Wasserfilm. Rahmenlose Glas-Glas-Module oder solche mit flacher Rahmenkante an der Traufe begünstigen das Abrutschen, weil kein Schneekeil an der Unterkante hängen bleibt. Auf flachen Dächern und aufgeständerten Flachdachanlagen bleibt Schnee deutlich länger liegen.
Soll man räumen?
In aller Regel nein. Der Ertragsgewinn einiger Wintertage ist gering, das Risiko hoch: Absturzgefahr, Kratzer auf dem Glas durch Schaufeln oder Besen, Beschädigung der Dachhaut und der Kabel. Heißes Wasser oder Streusalz sind tabu. Wer räumen möchte, sollte das nur von sicherem Stand aus mit weichen, speziell dafür gedachten Geräten tun – oder es einem Fachbetrieb überlassen. Bei akuter Überlast ist das etwas anderes: Dann geht es um die Statik, nicht um Ertrag.
Teilbedeckung
Liegt Schnee nur auf der unteren Modulreihe, wirkt er wie eine Verschattung. Die Bypass-Dioden verhindern Schäden, die Leistung des Strings sinkt aber überproportional. Warum, erklärt der Beitrag Verschattung, Optimierer und Bypass-Dioden.
Schneelast: ein Thema für die Planung
Deutschland ist nach DIN EN 1991-1-3 in Schneelastzonen eingeteilt, die zusätzlich von der Geländehöhe abhängen. München liegt in einer Zone mit mittlerer Last; nach Süden Richtung Alpenrand und mit jedem Höhenmeter steigen die Werte deutlich. In Gemeinden des Oberlandes oder im Berchtesgadener Land sind Bemessungswerte möglich, die ein Vielfaches der Münchner betragen.
Für die Anlage bedeutet das:
- Module: Die zulässige Drucklast laut Datenblatt (häufig 5.400 Pa, bei bestimmten Klemmpositionen weniger) muss mit Sicherheitsfaktor über der örtlichen Last liegen. Glas-Glas-Module sind hier oft robuster, siehe Solarmodul-Arten.
- Unterkonstruktion: Abstand der Dachhaken, Anzahl der Befestigungspunkte und Schienenprofil werden auf Schnee- und Windlast gerechnet. In höheren Lagen sind mehr Haken und stärkere Schienen normal.
- Dachstuhl: Die Module bringen nur 11 bis 15 kg/m² zusätzlich, verändern aber das Abrutschverhalten des Schnees. Bei älteren Dachstühlen prüfen wir die Tragreserven.
- Schneefang: Weil Schnee von Modulen schlagartig abrutscht, sind Schneefanggitter an der Traufe über Eingängen, Wegen und Stellplätzen oft sinnvoll und teils vorgeschrieben.
Mehr zur statischen Seite erläutert der Beitrag Statik und Schneelast in Bayern.
Was Sie im Winter tun können
- Monitoring beobachten, nicht bewerten: Niedrige Werte sind normal. Auffällig ist nur, wenn an einem klaren Tag nach Schneeschmelze ein Teil der Anlage dauerhaft deutlich weniger liefert als der Rest.
- Nach starkem Schneefall Sichtkontrolle vom Boden: Verschobene Module, abgeknickte Schneefanggitter oder hängende Kabel fallen oft schon aus Distanz auf.
- Speicher sinnvoll einstellen: Viele Systeme erlauben einen Wintermodus, der die Batterie nicht dauerhaft leer stehen lässt oder sie gezielt günstig aus dem Netz lädt, wenn ein dynamischer Tarif genutzt wird.
- Nach dem Winter prüfen: Im Frühjahr ist ein guter Zeitpunkt für eine Sichtprüfung der Unterkonstruktion und Befestigungen.
Photovoltaik und Wärmepumpe im Winter
Wer eine Wärmepumpe betreibt, braucht den meisten Strom genau dann, wenn die Anlage am wenigsten liefert. Im Dezember und Januar deckt Photovoltaik nur einen kleinen Teil des Wärmepumpenstroms. Übers Jahr gerechnet ist die Kombination trotzdem sinnvoll, weil in den Übergangsmonaten und bei der Warmwasserbereitung im Sommer viel Eigenverbrauch entsteht. Realistische Erwartungen dazu beschreibt der Beitrag Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren.
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