Ein verbreiteter Irrtum: Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, hat bei einem Stromausfall trotzdem Strom. In den allermeisten Fällen stimmt das nicht. Normale netzgekoppelte Wechselrichter schalten innerhalb von Sekundenbruchteilen ab, sobald das öffentliche Netz ausfällt. Das ist Vorschrift und schützt Techniker, die an der vermeintlich spannungsfreien Leitung arbeiten.
Eine Versorgung bei Netzausfall ist trotzdem möglich – aber nur mit Speicher, einem dafür ausgelegten Wechselrichter und einer Umschalteinrichtung. Wie weit diese Versorgung reicht, hängt stark von der gewählten Lösung ab.
Begriffe, die oft verwechselt werden
Hersteller und Anbieter verwenden die Begriffe nicht einheitlich. Für eine ehrliche Planung unterscheiden wir drei Stufen:
- Notstromsteckdose: Der Wechselrichter oder Speicher stellt eine einzelne Steckdose bereit, oft mit manueller Umschaltung. Dort lassen sich Kühlschrank, Router oder Ladegeräte anschließen, meist bis 2 bis 3 kW.
- Ersatzstrom für ausgewählte Kreise: Einzelne Stromkreise – etwa Licht, Kühlgeräte, Heizungssteuerung – werden automatisch weiter versorgt. Die Umschaltung dauert je nach System von unter einer Sekunde bis einige Sekunden.
- Ersatzstrom für das ganze Haus: Eine Netztrenneinrichtung trennt das Gebäude vom öffentlichen Netz, der Speicher versorgt alle Verbraucher, begrenzt durch seine Leistung. Häufig dreiphasig und mit Nachladung aus der Photovoltaik.
Entscheidend ist ein Detail, das in Angeboten gern fehlt: ob die Photovoltaik den Speicher während des Ausfalls weiter nachladen kann. Ohne diese Fähigkeit – man spricht von Schwarzstart- oder Inselfähigkeit – ist nach Leerlaufen des Speichers Schluss, auch wenn die Sonne scheint.
Die Varianten im Vergleich
| Lösung | Leistung im Ausfall | PV lädt nach | Mehrkosten grob |
|---|---|---|---|
| Notstromsteckdose am Speicher | 1–3 kW, einphasig | je nach Gerät | gering, oft im Gerät enthalten |
| Ersatzstrom, Teilkreise | 3–5 kW | meist ja | ca. 800–2.000 € |
| Ersatzstrom, ganzes Haus, dreiphasig | 5–10 kW, begrenzt durch Speicher | ja, bei inselfähigem System | ca. 1.500–3.500 € |
Die Mehrkosten verstehen sich zusätzlich zum Speicher und hängen stark vom Zählerschrank ab. Ist dort kein Platz für Netztrennung und getrennte Verteilung, wird der Umbau größer.
Wie lange reicht der Speicher?
Ein Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus mit 10 kWh nutzbarer Kapazität:
- Grundlast (Kühlschrank, Gefriertruhe, Router, Standby): etwa 150–250 W, also 4–6 kWh pro Tag
- Heizungssteuerung und Umwälzpumpe einer Gasheizung: etwa 50–100 W
- Licht und Kochen mit Bedacht: 2–4 kWh pro Tag
Ohne Nachladung reicht ein voller Speicher damit etwa ein bis zwei Tage. Im Sommer lädt die Anlage tagsüber nach, der Betrieb kann mehrere Tage weiterlaufen. Im Winter ist der Speicher zum Zeitpunkt eines Ausfalls oft nicht voll, und die Nachladung ist gering. Eine Wärmepumpe lässt sich im Ersatzstrombetrieb meist nur eingeschränkt oder gar nicht versorgen, weil Anlaufströme und Dauerlast den Speicher überfordern.
Reserve einstellen
Viele Systeme erlauben, eine Mindestladung von zum Beispiel 20 Prozent zurückzuhalten. Diese Reserve steht im Alltag nicht für den Eigenverbrauch zur Verfügung und kostet damit Ertrag. Wie viel Reserve sinnvoll ist, hängt davon ab, wie häufig und wie lange Ausfälle bei Ihnen realistisch sind.
Was in Angeboten oft unklar bleibt
Die Bezeichnung „notstromfähig“ steht auf vielen Datenblättern. Dahinter verbergen sich sehr unterschiedliche Leistungen. Wir empfehlen, bei jedem Angebot schriftlich nachzufragen:
- Ist die Umschaltung im Angebotspreis enthalten, oder nur die theoretische Fähigkeit des Geräts?
- Werden alle drei Phasen versorgt oder nur eine? Bei einphasiger Versorgung laufen Drehstromgeräte wie Herd oder Durchlauferhitzer nicht.
- Wie hoch ist die Dauerleistung im Ausfall, und wie hoch darf kurzzeitig der Anlaufstrom sein?
- Wer übernimmt die Abstimmung mit dem Netzbetreiber und die Dokumentation der Netztrennung?
Eine Ersatzstromanlage sollte zudem einmal im Jahr probeweise ausgelöst werden. Nur so zeigt sich, ob Umschaltung und Nachladung nach einem Software-Update noch wie vorgesehen funktionieren.
Wie realistisch ist ein Stromausfall in München?
Die Versorgungssicherheit im deutschen Netz ist im internationalen Vergleich hoch; ungeplante Unterbrechungen dauern im Schnitt nur wenige Minuten pro Jahr und Kunde. In ländlicheren Teilen Oberbayerns mit Freileitungen kommen witterungsbedingte Ausfälle etwas häufiger vor als im Stadtgebiet. Für die meisten Haushalte ist Ersatzstrom deshalb eine Komfort- und Vorsorgefunktion, keine wirtschaftliche Investition. Anders sieht es aus bei Homeoffice mit dauerhaftem Netzwerkbedarf, medizinischen Geräten, Aquarien oder Hebeanlagen im Keller.
Worauf wir bei der Planung achten
- Welche Verbraucher müssen wirklich versorgt werden – und mit welcher Leistung?
- Ist das System zertifiziert und vom Netzbetreiber als Ersatzstromlösung akzeptiert?
- Passt der Zählerschrank oder braucht es einen Umbau? (siehe Zählerschrank erneuern)
- Kann der Speicher im Inselbetrieb aus der Photovoltaik nachladen?
- Wird die Umschaltung automatisch oder manuell ausgelöst?
Die Speichergröße sollte sich trotzdem am Alltag orientieren, nicht am seltenen Notfall. Wie man sie sinnvoll wählt, steht unter Stromspeicher: sinnvolle Größe. Wer eine bestehende Anlage um eine Batterie mit Ersatzstrom ergänzen will, findet die Vorfragen unter Stromspeicher nachrüsten. Ein Energiemanager kann im Ausfall zusätzlich Lasten abwerfen, damit der Speicher länger hält – dazu Energiemanagementsystem.
Wir klären mit Ihnen, welche Stufe der Absicherung zu Ihrem Haus passt, und planen Speicher und Umschaltung gemeinsam. Mehr zur Leistung unter Stromspeicher – oder Anfrage stellen.



