Viele Photovoltaikanlagen in München und Umgebung sind vor fünf, acht oder zwölf Jahren ohne Batterie gebaut worden. Damals waren Speicher teuer und die Einspeisevergütung höher. Heute ist das Verhältnis umgekehrt: Selbst genutzter Solarstrom ist deutlich mehr wert als eingespeister, und die Frage nach dem Nachrüsten stellt sich fast in jedem Beratungsgespräch.
Technisch lässt sich an fast jede bestehende Anlage ein Speicher anschließen. Wie aufwendig das ist, entscheidet sich an drei Punkten: am vorhandenen Wechselrichter, am Zählerschrank und an der Frage, ob die Altanlage noch lange in der EEG-Vergütung läuft.
Erst prüfen, dann kaufen: die fünf Vorfragen
- Welcher Wechselrichter ist verbaut? Ein Hybridwechselrichter hat bereits einen Batterieeingang. Ein reiner String-Wechselrichter nicht – dann kommt nur eine AC-Kopplung oder ein Tausch in Frage.
- Wie alt ist der Wechselrichter? Nach zwölf bis 15 Jahren steht ohnehin ein Tausch an. Dann ist oft der Wechsel auf ein Hybridgerät die sauberere Lösung.
- Wie viel Überschuss entsteht wirklich? Ihre Einspeisewerte der letzten Jahre zeigen, wie viel Strom zum Einspeichern überhaupt übrig bleibt. Diese Daten liegen im Wechselrichterportal oder in der Jahresabrechnung.
- Ist im Zählerschrank Platz? Für Speicher, Messwandler und eventuell eine Ersatzstrom-Umschaltung wird Raum gebraucht. Ältere Schränke entsprechen oft nicht mehr den technischen Anschlussbedingungen.
- Wann endet die Vergütung? Läuft die Anlage bald aus der EEG-Förderung, ändert sich die gesamte Rechnung zugunsten des Eigenverbrauchs.
AC- oder DC-Kopplung beim Nachrüsten
Bei der DC-Kopplung hängt die Batterie am Gleichstromkreis des Hybridwechselrichters. Das spart eine Wandlungsstufe und ist effizienter. Beim Nachrüsten funktioniert das nur, wenn der vorhandene Wechselrichter dafür vorbereitet ist oder ohnehin getauscht wird.
Bei der AC-Kopplung bekommt der Speicher einen eigenen Batteriewechselrichter und wird an das Hausnetz angeschlossen. Die bestehende Anlage bleibt unverändert. Das ist die häufigste Lösung bei Altanlagen, kostet aber durch die zusätzliche Wandlung einige Prozent Wirkungsgrad. Welche Wechselrichtertypen es gibt, beschreibt der Beitrag Wechselrichter-Arten.
| Ausgangslage | Empfohlene Lösung | Grober Mehraufwand |
|---|---|---|
| Hybridwechselrichter vorhanden, Batterieeingang frei | DC-Speicher des passenden Herstellers | gering, oft ein Montagetag |
| String-Wechselrichter unter 10 Jahre alt | AC-gekoppelter Speicher | mittel, eigener Batteriewechselrichter |
| String-Wechselrichter über 12 Jahre alt | Tausch gegen Hybridwechselrichter plus DC-Speicher | höher, dafür neue Garantie |
| Mehrere Teilanlagen oder Mikrowechselrichter | AC-Speicher | mittel, Messkonzept prüfen |
Was das Nachrüsten kostet
Der Speicher selbst liegt bei grob 500 bis 900 Euro je nutzbarer Kilowattstunde. Beim Nachrüsten kommen Posten hinzu, die bei einer Neuanlage im Gesamtpaket untergehen: Anfahrt und Elektroinstallation, ein eventueller Batteriewechselrichter, Energiezähler, Anpassungen im Zählerschrank und die Anmeldung. Für einen 8-kWh-Speicher mit AC-Kopplung landet man damit häufig zwischen 6.000 und 8.500 Euro. Muss der Zählerschrank erneuert werden, kommen je nach Zustand weitere Beträge dazu – mehr dazu unter Zählerschrank erneuern.
Umsatzsteuer fällt in der Regel nicht an: Der Nullsteuersatz gilt auch für Speicher, die nachträglich zu einer Photovoltaikanlage auf einem Wohngebäude bis 30 kWp installiert werden.
Die EEG-Frage bei Altanlagen
Ältere Anlagen haben oft eine Vergütung von 12 Cent und mehr je Kilowattstunde. Jede eingespeicherte Kilowattstunde fehlt in der Einspeisung. Je höher die alte Vergütung, desto kleiner der Vorteil. Bei Anlagen aus den Jahren vor 2012 mit Sätzen von 25 Cent und mehr lohnt sich ein Speicher bis zum Ende der Förderung kaum.
Anders sieht es bei Anlagen aus, die in den nächsten Jahren aus der Förderung fallen. Danach gibt es nur noch den Marktwert, und Eigenverbrauch wird zur wichtigsten Einnahmequelle. Die Optionen nach Förderende beschreibt Photovoltaik nach 20 Jahren.
Achtung beim Messkonzept
Speicher dürfen keinen Netzstrom in die vergütete Einspeisung „umleiten“. Deshalb legt der Netzbetreiber fest, wie gemessen wird. Ein Speicher, der ausschließlich aus der Photovoltaik lädt, ist unkompliziert. Soll er auch aus dem Netz laden, etwa für einen dynamischen Tarif, braucht es ein passendes Messkonzept – das klären wir vor dem Kauf.
Die richtige Größe für eine bestehende Anlage
Beim Nachrüsten haben Sie einen Vorteil gegenüber der Neuplanung: Es gibt echte Messdaten statt Schätzungen. Aus den Einspeisewerten der Sommermonate lässt sich ablesen, wie viel Überschuss an einem typischen Tag übrig bleibt. Liegt er im Juni regelmäßig bei 20 kWh und mehr, ist ein Speicher mit 8 bis 10 kWh gut ausgelastet. Liegt er selten über 8 kWh, reicht ein kleineres Modell. Umgekehrt zeigt der Netzbezug der Abend- und Nachtstunden, wie viel der Speicher überhaupt abgeben kann. Wer keine Viertelstundenwerte hat, kann mit einem nachgerüsteten Energiezähler einige Wochen messen, bevor die Entscheidung fällt. Die grundsätzlichen Größenregeln stehen unter Stromspeicher: sinnvolle Größe.
Bei älteren Anlagen mit kleiner Leistung, etwa 4 bis 5 kWp, ist der Überschuss oft zu gering für einen wirtschaftlichen Speicher. Dann lohnt sich eher die Frage, ob eine zweite Anlage auf bisher ungenutzten Dachflächen sinnvoll ist.
Anmeldung nach der Montage
- Meldung an den Netzbetreiber, bei AC-Speichern mit Datenblatt und Einheitenzertifikat
- Eintrag im Marktstammdatenregister als eigene Speichereinheit, innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme
- bei Netzladung und mehr als 4,2 kW Leistung: Einordnung als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG
Den Ablauf im Marktstammdatenregister erklärt Marktstammdatenregister für Photovoltaik.
Wir sehen uns Ihre bestehende Anlage, die Einspeisedaten und den Zählerschrank an und sagen Ihnen offen, ob ein Speicher jetzt oder erst später sinnvoll ist. Details zur Leistung unter Stromspeicher – oder Anfrage stellen.



