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Ratgeber

Statik und Schneelast: Was PV-Anlagen in Bayern aushalten müssen.

Schneelastzonen, Dachlast, Modulbelastbarkeit: Warum PV-Anlagen in Oberbayern standortgenau ausgelegt werden müssen und wann ein Statiker nötig ist.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Statik und Schneelast: Was PV-Anlagen in Bayern aushalten müssen

Kaum ein Bundesland stellt so unterschiedliche Anforderungen an die Statik von Solaranlagen wie Bayern. Zwischen dem Münchner Stadtgebiet auf gut 500 Metern Höhe und einem Hof bei Garmisch-Partenkirchen liegen bei der rechnerischen Schneelast Welten. Ein Montagesystem, das in Schwabing mit großem Abstand zwischen den Haken auskommt, kann im Werdenfelser Land unterdimensioniert sein.

Die gute Nachricht: Für intakte Steildächer ist die zusätzliche Last einer Photovoltaikanlage meist unkritisch. Worauf es ankommt, ist die richtige Auslegung von Haken, Schienen und Modulen – und bei Flachdächern der Blick auf die Tragreserven.

Welche Lasten auf eine Anlage wirken

  • Eigengewicht: Aufdach-Anlagen mit Glas-Folie-Modulen wiegen einschließlich Unterkonstruktion etwa 15 bis 20 kg/m². Glas-Glas-Module sind schwerer, sie liegen eher bei 20 bis 25 kg/m².
  • Schneelast: Drückt senkrecht auf Module und Dach. In Oberbayern der wichtigste Faktor.
  • Windlast: Wirkt als Druck und vor allem als Sog, besonders an Rand- und Eckbereichen. Bestimmt die Befestigung und bei Flachdächern den Ballast.
  • Ballast: Nur bei beschwerten Flachdachsystemen, dort oft der größte Posten.

Schneelastzonen: warum der Ort zählt

Die Schneelast wird nach der Eurocode-Norm DIN EN 1991-1-3 mit nationalem Anhang bestimmt. Deutschland ist in Zonen eingeteilt, innerhalb jeder Zone steigt die Last mit der Geländehöhe. Für Bayern ergibt sich grob folgendes Bild:

RegionCharakteristische Schneelast am Boden (Größenordnung)
München und nördliches Umlandetwa 1 kN/m² (rund 100 kg/m²)
Südliches Umland, Fünfseenland, Ebersbergetwa 1,5–2,5 kN/m²
Alpenvorland, Voralpen (z. B. Weilheim, Miesbach)etwa 2–4 kN/m²
Alpentäler und Höhenlagendeutlich über 4 kN/m² möglich

Die Werte sind Orientierung, keine Planungsgrundlage. Die tatsächliche Last für Ihr Gebäude ergibt sich aus der genauen Zone, der Geländehöhe und der Dachform. Wir ermitteln sie in der Planung für die konkrete Adresse. Auf dem Dach wird die Bodenlast noch mit einem Formbeiwert multipliziert, der von der Dachneigung abhängt: Auf flachen Dächern bleibt der Schnee liegen, auf steilen rutscht er ab.

Was die Module aushalten

Solarmodule werden nach IEC 61215 unter anderem auf mechanische Belastung geprüft. Viele Hersteller geben für die Vorderseite 5.400 Pa Prüflast an, das entspricht rund 550 kg/m². Diese Werte gelten aber nur bei der Montageart, die der Hersteller vorschreibt – Klemmbereich, Schienenausrichtung und Anzahl der Klemmen. Wird davon abgewichen, sinkt die zulässige Last deutlich. Für schneereiche Lagen lohnt es sich, Module mit höherer Belastbarkeit und stabilem Rahmen zu wählen. Glas-Glas-Module bieten hier Vorteile, sind aber schwerer. Mehr dazu unter Modularten im Vergleich.

Steildach: meist unkritisch, aber nicht beliebig

Ein intakter Dachstuhl verkraftet 15 bis 20 kg/m² zusätzlich in aller Regel ohne Nachweis. Die Schneelast wirkt ohnehin schon heute auf das Dach, die Module verändern sie kaum. Worauf es ankommt, ist die Befestigung: In Lagen mit hoher Schneelast werden mehr Dachhaken in engerem Abstand und teils verstärkte Haken gesetzt, damit die Last nicht über die Ziegel abgetragen wird. Wie das in der Praxis aussieht, beschreibt der Beitrag Montage auf dem Ziegeldach.

Genauer hinschauen sollte man bei geschwächten Sparren (Holzschädlinge, frühere Umbauten), sehr schlanken Querschnitten älterer Dachstühle und bei Dächern, die bereits sichtbar durchhängen.

Flachdach: der Statiker gehört meist dazu

Auf Flachdächern ist die Lage anders. Ballastierte Systeme bringen je nach Wind- und Gebäudesituation erhebliche Zusatzlasten, und zwischen den Modulreihen bildet sich bei Verwehung zusätzlicher Schnee. Leichtbaudächer auf Hallen und Garagen haben oft kaum Reserven. Hier empfehlen wir grundsätzlich eine Prüfung anhand der Bauunterlagen oder durch einen Tragwerksplaner. Details im Beitrag Flachdach und Aufständerung.

Schneefang und abrutschender Schnee

Module sind glatter als Ziegel. Schnee rutscht von ihnen schneller und in größeren Mengen ab. Über Eingängen, Terrassen, Gehwegen und Wintergärten ist deshalb ein Schneefang an der Traufe oft sinnvoll, in manchen Gemeinden auch vorgeschrieben. Er muss so montiert sein, dass sich vor den Modulen kein Schneestau bildet, der den unteren Modulrand überlastet. Wie sich Schnee auf den Ertrag auswirkt, beschreibt der Beitrag Photovoltaik im Winter.

Welche Unterlagen wir für die Auslegung brauchen

  • Adresse und Geländehöhe – daraus ergeben sich Schnee- und Windlastzone
  • Dachneigung, Sparrenabstand und Sparrenquerschnitt, am besten mit Fotos aus dem Dachboden
  • Gebäudehöhe und Lage (freistehend, dicht bebaut, Hanglage)
  • Bei Flachdächern: Bauunterlagen oder statische Berechnung des Gebäudes, soweit vorhanden

Fehlen Unterlagen, messen wir vor Ort auf. Bei älteren Gebäuden ist das ohnehin die verlässlichere Grundlage, weil Umbauten der vergangenen Jahrzehnte in den Plänen oft nicht auftauchen. Das Ergebnis ist ein Befestigungsplan mit Hakenanzahl, Abständen und Klemmbereichen, der Teil der Anlagendokumentation wird und bei späteren Fragen der Versicherung vorgelegt werden kann.

Wenn doch etwas passiert

Schneebruch ist bei richtiger Auslegung selten, kommt aber in extremen Wintern vor. Eine Photovoltaikversicherung oder die Einbindung in die Wohngebäudeversicherung sollte Schneedruck ausdrücklich einschließen. Zu Schadensbildern und Absicherung mehr im Beitrag Hagel- und Sturmschäden.

Wir legen jedes Montagesystem für den konkreten Standort aus und dokumentieren die Berechnung. Das beginnt mit der Photovoltaik-Beratung. Anfrage stellen

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