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Ratgeber

Brandschutz bei Photovoltaik: Risiken und Feuerwehreinsatz.

Wie hoch das Brandrisiko einer PV-Anlage wirklich ist, woher Brände kommen, wie die Feuerwehr bei PV-Dächern löscht und was Planung und Betrieb sicherer macht.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Brandschutz bei Photovoltaik: Risiken und Feuerwehreinsatz

Die Sorge taucht in fast jedem Beratungsgespräch auf: Kann eine Photovoltaikanlage einen Brand verursachen, und löscht die Feuerwehr dann überhaupt noch? Beide Fragen sind berechtigt, und beide lassen sich sachlich beantworten. Kurz gesagt: Brände durch PV-Anlagen sind selten, sie haben fast immer eine vermeidbare Ursache, und die Feuerwehr löscht Gebäude mit Solaranlagen nach klaren Regeln.

Wie häufig brennen PV-Anlagen?

Untersuchungen aus Deutschland, unter anderem vom Fraunhofer ISE und dem TÜV Rheinland, haben Brandfälle mit Beteiligung von PV-Anlagen über viele Jahre ausgewertet. Das Ergebnis: Im Verhältnis zur Zahl der installierten Anlagen sind Brände, die von der Anlage selbst ausgehen, sehr selten. Deutlich häufiger ist der umgekehrte Fall – das Haus brennt aus einem anderen Grund, und die Anlage ist betroffen. Trotzdem ist „selten“ nicht „nie“, und die Ursachen lohnen einen genaueren Blick.

Woher Brände kommen

Die meisten Brandereignisse gehen auf Installationsfehler zurück, nicht auf defekte Module. Die typischen Schwachstellen:

  • Steckverbinder: Stecker unterschiedlicher Hersteller, die nur scheinbar zusammenpassen, oder unsachgemäß gecrimpte Kontakte. Der erhöhte Übergangswiderstand erzeugt Wärme, im schlimmsten Fall einen Lichtbogen.
  • Beschädigte Leitungen: Kabel, die über scharfe Kanten laufen, an Dachhaken scheuern oder von Mardern angefressen werden.
  • Lose Klemmen im Wechselrichter oder Zählerschrank: Temperaturwechsel lockern Verbindungen über die Jahre.
  • Speicher an ungeeigneten Orten: neben brennbarer Lagerware oder in Räumen ohne ausreichende Belüftung.

Das Besondere an der Gleichstromseite: Ein Gleichstrom-Lichtbogen erlischt nicht von selbst wie beim Wechselstrom, der hundertmal pro Sekunde durch null geht. Deshalb ist sorgfältige Installation hier wichtiger als an jeder anderen Stelle im Haus.

Wie die Feuerwehr bei PV-Dächern vorgeht

Ein verbreitetes Missverständnis lautet, die Feuerwehr lasse Häuser mit Solaranlage kontrolliert abbrennen. Das trifft nicht zu. Die Feuerwehren folgen einsatztaktischen Empfehlungen, die mit Blick auf PV-Anlagen entwickelt wurden.

Was die Einsatzkräfte beachten

  • Solange Licht auf die Module fällt, liegt an der Gleichstromseite Spannung an – auch nach dem Abschalten des Hausanschlusses.
  • Beim Löschen von Niederspannungsanlagen gelten Mindestabstände, in der Praxis etwa 1 m mit Sprühstrahl und 5 m mit Vollstrahl.
  • Einsatzkräfte betreten Dachflächen mit Modulen nur, wenn es unvermeidbar ist.
  • Herabfallende Module und Glasbruch werden als zusätzliche Gefahr berücksichtigt.

Was die Feuerwehr von Ihnen braucht

Am Hausanschluss oder Zählerschrank sollte ein Hinweisschild auf die PV-Anlage angebracht sein, idealerweise ergänzt durch einen Übersichtsplan mit Lage von Modulen, Leitungswegen, Wechselrichter und Speicher. Das spart im Einsatz Zeit. Einige Betreiber hinterlegen diesen Plan zusätzlich in einem gut sichtbaren Depot am Eingang.

Feuerwehrschalter: Pflicht oder Option?

Für private Wohngebäude gibt es in Bayern keine allgemeine Pflicht zu einem DC-Freischalter direkt an den Modulen. Solche Schalter trennen die Leitungen dachnah, sodass im Gebäude keine Gleichspannung mehr anliegt – an den Modulen selbst bleibt sie aber bestehen. Bei Gebäuden mit besonderer Nutzung oder bei Forderungen aus der Baugenehmigung oder vom Versicherer kann eine solche Lösung verlangt werden. Eine Alternative sind Systeme mit Modulwechselrichtern oder Leistungsoptimierern mit Schnellabschaltung, die die Spannung am Dach auf ein ungefährliches Niveau senken. Mehr zu diesen Geräten im Beitrag zu Wechselrichterarten und zu Optimierern.

Abstände zu Brandwänden

Bei Reihen- und Doppelhäusern verlangt das Bauordnungsrecht, dass Brandwände bzw. Gebäudeabschlusswände nicht durch brennbare Bauteile überbrückt werden. Für PV-Module bedeutet das in der Regel einen Abstand zur Wand – üblich sind 0,5 m – oder eine gleichwertige bauliche Lösung. Das wirkt sich auf die belegbare Fläche aus und sollte früh in der Planung berücksichtigt werden. Beispiele dazu im Beitrag zu Reihen- und Doppelhäusern.

Speicher: Zellchemie und Aufstellort

Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), die heute in den meisten Heimspeichern verbaut werden, gelten als thermisch deutlich stabiler als ältere Zellchemien. Trotzdem gehört ein Speicher in einen trockenen, frostfreien Raum mit ausreichendem Abstand zu brennbaren Materialien. Ein Rauchwarnmelder im Aufstellraum ist eine einfache, sinnvolle Ergänzung. Hinweise zur Planung im Beitrag Stromspeicher: sinnvoll und welche Größe.

Was Betreiber im Alltag beachten sollten

Brandschutz endet nicht mit der Inbetriebnahme. Im Betrieb sind es vor allem kleine Dinge, die das Risiko niedrig halten: Der Aufstellort von Wechselrichter und Speicher ist kein Lagerraum für Kartons, Farben oder Brennholz. Lüftungsschlitze bleiben frei. Fehlermeldungen wie „Lichtbogen erkannt“ oder wiederholte Isolationsfehler werden nicht einfach quittiert, sondern von einer Fachkraft untersucht. Und wer Marder im Dachbereich bemerkt, sollte die Leitungen prüfen lassen, bevor Bissschäden zu Kriechströmen führen.

Viele neuere Wechselrichter enthalten eine Lichtbogenerkennung, die einen Gleichstrom-Lichtbogen am Strom- und Spannungsverlauf erkennt und die Anlage abschaltet. Bei älteren Geräten fehlt diese Funktion; das kann ein Argument sein, beim ohnehin fälligen Wechselrichtertausch auf ein Gerät mit dieser Funktion zu achten.

Checkliste für mehr Sicherheit

  1. Installation durch einen Fachbetrieb mit dokumentierter Inbetriebnahmeprüfung.
  2. Nur zueinander passende Steckverbinder desselben Herstellers und Typs.
  3. Überspannungsschutz auf DC- und AC-Seite nach Blitzschutzkonzept.
  4. Hinweisschild und Anlagenplan am Hausanschluss.
  5. Wiederkehrende Prüfung inklusive Thermografie, um warme Steckverbinder früh zu finden.

Prüfung und Nachrüstung

Im Rahmen von Wartung und Service prüfen wir Steckverbinder, Leitungsführung und Beschilderung auch an bestehenden Anlagen und beraten zu Schnellabschaltung oder Freischaltern, wo sie sinnvoll sind. Für einen Termin im Raum München und Oberbayern können Sie hier eine Anfrage stellen.

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