Kurze Antwort vorweg: Bei den meisten Anlagen auf geneigten Hausdächern im Raum München ist eine regelmäßige Reinigung nicht nötig. Regen, Schnee und die Neigung der Module halten die Oberfläche erstaunlich sauber. Trotzdem gibt es Fälle, in denen sich Schmutz dauerhaft festsetzt und messbar Ertrag kostet – und diese Fälle lassen sich recht gut eingrenzen.
Wie viel Ertrag kostet Schmutz?
Gleichmäßiger, leichter Staubfilm reduziert den Ertrag typischerweise um wenige Prozent. Deutlich teurer ist ungleichmäßiger Schmutz: Ein Streifen Moos oder Flechten an der unteren Modulkante, Vogelkot auf einzelnen Zellen oder ein Laubhaufen in der Ecke wirken wie eine Teilverschattung. Weil Zellen in Reihe geschaltet sind, bremst eine verschmutzte Zelle den ganzen Zellstrang. Die Bypass-Dioden verhindern Schlimmeres, kosten aber jeweils ein Drittel der Modulleistung, wie der Beitrag zu Verschattung und Bypass-Dioden erklärt.
| Situation | Typischer Mehrverlust | Reinigung sinnvoll? |
|---|---|---|
| Schrägdach ab ca. 20°, Wohngebiet | 0 bis 3 % | in der Regel nein |
| Flachdach mit 10–15° Aufständerung | 2 bis 6 % | gelegentlich, nach Sichtprüfung |
| Nähe zu Landwirtschaft, Stall, Kieswerk | 5 bis 10 %, teils mehr | oft ja |
| Bäume in der Nähe, Moos an Rahmenkante | ungleichmäßig, stringabhängig | ja, gezielt |
| Vogelkot auf einzelnen Zellen | punktuell, aber wirksam | ja, wenn er nicht abregnet |
Die Zahlen sind Erfahrungsspannen, keine Garantiewerte. Wie stark Ihre Anlage betroffen ist, zeigt am zuverlässigsten der Ertragsvergleich vor und nach einer Reinigung oder der Vergleich mit einer ähnlichen Anlage in der Nachbarschaft.
Warum flache Module schneller verschmutzen
Bei steilen Dächern läuft Regenwasser zügig ab und nimmt Staub mit. Bei flacher Neigung bleibt das Wasser länger stehen, verdunstet und hinterlässt einen Rand an der unteren Rahmenkante. Dort sammeln sich Pollen, Staub und organisches Material, auf dem später Moos wächst. Rahmenlose Glas-Glas-Module sind hier im Vorteil, weil keine Kante das Wasser staut. Mehr zur Auswahl bei flachen Dächern im Beitrag zur Flachdach-Aufständerung.
Besonderheiten in Oberbayern
Zwei regionale Effekte fallen immer wieder auf. Im Frühjahr legt sich in manchen Jahren gelblicher Pollenstaub von Fichten und Kiefern auf die Module, der bei trockener Witterung einige Wochen liegen bleiben kann. Und mehrmals im Jahr bringen Südwinde Saharastaub bis ins Alpenvorland. Beides ist meist nach dem nächsten kräftigen Regen verschwunden und rechtfertigt allein keine Reinigung.
Anders ist es bei Betrieben in landwirtschaftlich geprägten Gemeinden: Ammoniakhaltige Stallluft und Futtermittelstaub bilden einen hartnäckigen Film, der nicht abregnet. Hier kann eine jährliche Reinigung durchaus wirtschaftlich sein.
Schnee ist dagegen kein Reinigungsfall. Er rutscht bei geneigten Modulen meist innerhalb weniger Sonnentage ab. Warum Sie Schnee nicht vom Dach schieben sollten, steht im Beitrag zu Photovoltaik im Winter.
So wird richtig gereinigt
- Wasser: möglichst entmineralisiert (Osmose- oder VE-Wasser), damit keine Kalkflecken zurückbleiben. Münchner Leitungswasser ist vergleichsweise hart.
- Werkzeug: weiche Bürsten, idealerweise mit Wasserdurchfluss über einen Teleskopstiel.
- Kein Hochdruckreiniger: Der Strahl kann Dichtungen und Rahmenfugen schädigen und Wasser in Anschlussdosen drücken. Viele Hersteller schließen ihn in der Garantie ausdrücklich aus.
- Keine Reinigungsmittel mit Lösemitteln oder Schleifpartikeln: Sie greifen die Antireflexbeschichtung an.
- Zeitpunkt: morgens oder abends bei kühlen Modulen. Kaltes Wasser auf heißem Glas erzeugt Spannungen.
- Nicht auf Module treten: Das verursacht Mikrorisse, die man erst Monate später im Ertrag sieht.
Selbst reinigen oder beauftragen?
Bei Anlagen, die vom Boden oder von einer Garage aus mit einem Teleskopstiel erreichbar sind, spricht wenig gegen eine Reinigung in Eigenregie – solange Sie nicht aufs Dach steigen. Auf einem Einfamilienhausdach mit Absturzhöhe dagegen braucht es Sicherung, Erfahrung und oft eine Hubarbeitsbühne. Das ist nichts für einen Samstagnachmittag.
Professionelle Reinigungen werden meist nach Fläche oder Modulanzahl abgerechnet. Für ein typisches Einfamilienhaus mit 25 bis 30 Modulen ergibt sich je nach Zugänglichkeit und Verschmutzungsgrad ein Betrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Bereich. Stellen Sie dem den erwarteten Mehrertrag gegenüber: Bei 3 % Verlust auf 10.000 kWh sind das rund 300 kWh im Jahr. Bewertet mit einem Mix aus Eigenverbrauch und Einspeisung lohnt sich eine jährliche Profi-Reinigung in diesem Fall selten, alle paar Jahre oder bei sichtbarem Moosbewuchs schon eher.
Eine Reinigung ersetzt keine Prüfung
Wer ohnehin jemanden auf dem Dach hat, sollte die Gelegenheit nutzen: Steckverbinder, Kabelführung und Klemmen lassen sich im gleichen Zug ansehen. Oft zeigt sich erst bei der Reinigung, dass ein Modul einen Sprung hat oder dass unter einer Moosschicht bereits Feuchtigkeit in den Rahmen zieht. Was eine vollständige Prüfung umfasst, beschreibt der Beitrag zur Wartung und Prüfung.
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Ertragsrückgang am Schmutz liegt oder eine andere Ursache hat, lohnt zuerst ein Blick in die Daten. Viele vermeintliche Schmutzprobleme stellen sich als Stringausfall oder Wechselrichterdrosselung heraus – die Übersicht dazu finden Sie unter Ursachen für zu wenig Ertrag.
Unterstützung
Im Rahmen von Wartung und Service beurteilen wir, ob eine Reinigung bei Ihrer Anlage etwas bringt, und verbinden sie auf Wunsch mit einer Sichtprüfung. Für einen Termin oder eine erste Einschätzung anhand von Fotos können Sie eine Anfrage stellen.



