Ein Dach muss nicht perfekt nach Süden zeigen, um sich für Photovoltaik zu eignen. Die Zeiten, in denen nur Süddächer als wirtschaftlich galten, sind vorbei – die Module sind günstiger geworden, der selbst genutzte Strom wertvoller. Ungeeignet ist ein Dach heute eher wegen seines Zustands, starker Verschattung oder baurechtlicher Auflagen als wegen der Himmelsrichtung.
Die folgenden sechs Fragen können Sie großteils selbst beantworten, bevor ein Fachbetrieb auf dem Dach war. Sie geben eine belastbare erste Einschätzung.
1. Wohin zeigt die Fläche – und wie steil ist sie?
Ausrichtung und Neigung wirken zusammen. Die Tabelle zeigt grobe Ertragsfaktoren im Vergleich zu einer Südfläche mit 30 Grad, wie sie in Süddeutschland typisch sind. Die genauen Werte hängen vom Standort ab und werden in der Ertragssimulation ermittelt.
| Ausrichtung | Neigung 15° | Neigung 30° | Neigung 45° |
|---|---|---|---|
| Süd | ca. 95 % | 100 % | ca. 97 % |
| Südost / Südwest | ca. 93 % | ca. 95 % | ca. 91 % |
| Ost / West | ca. 87 % | ca. 83 % | ca. 76 % |
| Nord | ca. 75 % | ca. 62 % | ca. 48 % |
Daraus folgt: Ost- und Westdächer mit üblicher Neigung sind gut nutzbar. Bei flach geneigten Dächern wird selbst die Nordseite interessant. Steile Norddächer lohnen sich in der Regel nicht. Wie sich Ost-West gegenüber Süd im Alltag schlägt, beschreibt der Beitrag Ost-West oder Südausrichtung.
2. Wie viel Fläche bleibt nach den Abzügen?
Die Grundfläche eines Dachs sagt wenig. Abzuziehen sind Randabstände zu First, Traufe und Ortgang (meist 30 bis 50 cm), Dachfenster, Gauben, Kamine, Lüfter und Satellitenschüsseln. Bei Reihenhäusern kommen Abstände zur Brandwand hinzu. Als Faustregel: Ab etwa 20 m² zusammenhängender, gut besonnter Fläche – rund 4 kWp – ist eine Anlage wirtschaftlich sinnvoll. Kleinere Flächen sind möglich, die Fixkosten wiegen dann aber schwerer.
3. Was wirft Schatten – und wann?
Verschattung ist die häufigste Ursache für enttäuschende Erträge. Schauen Sie sich das Dach an einem sonnigen Tag vormittags, mittags und am späten Nachmittag an, im Idealfall auch im Winter bei tiefem Sonnenstand. Typische Schattengeber:
- Kamine und Gauben auf dem eigenen Dach
- Nachbargebäude, vor allem in dicht bebauten Stadtvierteln
- Bäume, die in 20 Jahren deutlich höher sein werden
- Oberleitungen, Antennen, Mobilfunkmasten
Leichte Teilverschattung lässt sich mit geschickter Stringplanung oder Optimierern auffangen. Wie das funktioniert, erklärt der Beitrag Verschattung, Optimierer und Bypass-Dioden.
4. Hält die Dacheindeckung noch 25 Jahre?
Eine PV-Anlage bleibt 25 bis 30 Jahre auf dem Dach. Die Eindeckung sollte mindestens so lange halten. Achten Sie auf:
- Alter der Eindeckung: Tonziegel halten oft 50 Jahre und mehr, Betondachsteine etwa 30 bis 50, Bitumenbahnen auf Flachdächern 20 bis 30 Jahre.
- Poröse, abplatzende oder moosbewachsene Ziegel
- Durchhängende Dachflächen, Feuchteflecken im Dachgeschoss
- Asbesthaltige Faserzementplatten (bis Anfang der 1990er-Jahre verbaut) – auf ihnen darf nicht montiert werden
Ist die Eindeckung älter als etwa 30 Jahre oder in schlechtem Zustand, lohnt ein Blick auf den Beitrag Dachsanierung vor Photovoltaik.
5. Trägt der Dachstuhl die Zusatzlast?
Eine Aufdach-Anlage bringt einschließlich Unterkonstruktion etwa 15 bis 20 kg pro Quadratmeter aufs Dach. Das tragen intakte Dachstühle in aller Regel ohne Weiteres. Relevanter ist in Oberbayern die Schneelast, die mit der Geländehöhe zunimmt – im Alpenvorland deutlich stärker als im Münchner Stadtgebiet. Bei Flachdächern mit Ballast oder bei älteren, leicht dimensionierten Konstruktionen ist ein Blick durch einen Statiker sinnvoll. Mehr dazu unter Statik und Schneelast in Bayern.
6. Gibt es rechtliche Hürden?
In Bayern sind Solaranlagen auf Dächern in der Regel verfahrensfrei, eine Baugenehmigung ist also nicht nötig. Ausnahmen:
- Denkmalschutz: Bei Baudenkmälern und oft auch in Ensembles ist eine denkmalrechtliche Erlaubnis erforderlich.
- Gestaltungssatzungen: Einige Gemeinden regeln Farbe, Anordnung oder Abstände von Modulen.
- Eigentümergemeinschaften: Auf einem gemeinsamen Dach braucht es einen Beschluss der WEG.
Für Einzeldenkmäler und Ensembles gibt es einen eigenen Beitrag: Photovoltaik und Denkmalschutz in Bayern.
Wenn das Hausdach nicht reicht
Fällt die Prüfung ernüchternd aus, ist Photovoltaik nicht automatisch vom Tisch. Garagen, Carports und Nebengebäude bieten oft zusätzliche Fläche. Bei sehr kleinen oder stark verschatteten Dächern kann eine kleine Anlage mit wenigen Modulen auf der besten Teilfläche trotzdem sinnvoll sein, wenn der Eigenverbrauch hoch ist. Ob sich das rechnet, zeigt erst die Gegenüberstellung von Kosten und erwartetem Ertrag.
Was eine Vor-Ort-Prüfung zusätzlich klärt
Einiges lässt sich nur auf dem Dach und im Keller feststellen: Sparrenabstand und -querschnitt, der Zustand der Lattung, die Kabelwege vom Dach zum Zählerschrank und ob der Zählerschrank den heutigen Anforderungen entspricht. Gerade Letzteres wird häufig unterschätzt und kann die Kosten merklich verändern: Ältere Zählerschränke ohne ausreichenden Platz für den Zähler und die nötigen Schutzeinrichtungen müssen oft erweitert oder ersetzt werden.
Satellitenbilder und Solarkataster – etwa das Solarpotenzialkataster im Energie-Atlas Bayern – liefern einen guten ersten Anhaltspunkt. Sie ersetzen aber weder die Verschattungsanalyse noch den Blick auf Zustand und Statik.
Wir sehen uns Ihr Dach an, prüfen Zustand, Statik und Anschlusssituation und sagen Ihnen offen, wenn es nicht passt. Mehr zu unserer Photovoltaik-Beratung – oder direkt Anfrage stellen.


