Das Ziegeldach ist in Oberbayern der Normalfall: Tondachziegel, Betondachsteine und bei älteren Häusern oft Biberschwanz. Auf allen drei lassen sich Photovoltaikanlagen gut montieren – vorausgesetzt, die Befestigung wird sauber auf die Eindeckung abgestimmt. Die meisten Schäden, die wir an älteren Anlagen sehen, stammen nicht von den Modulen, sondern von gebrochenen Ziegeln und ungünstigen Kabeldurchführungen.
Dieser Beitrag beschreibt, was während der Montage passiert, und worauf Sie beim Angebot und beim Abnahmetermin achten können.
Der Aufbau von oben nach unten
Eine Aufdach-Anlage besteht aus wenigen Bauteilen, die aufeinander aufbauen:
- Module, mit Klemmen auf den Schienen befestigt
- Montageschienen aus Aluminium, meist quer zu den Sparren verlegt
- Dachhaken aus Edelstahl oder Aluminium, die unter den Ziegeln hindurch mit dem Sparren verschraubt werden
- Sparren als tragender Teil des Dachstuhls
Die Last geht also vom Modul über Schiene und Haken direkt in den Dachstuhl. Die Ziegel selbst tragen nichts – und dürfen es auch nicht. Liegt ein Dachhaken auf dem darunterliegenden Ziegel auf, bricht dieser bei Schneelast. Das ist der häufigste Montagefehler.
Ein typischer Montagetag
Bei einem Einfamilienhaus mit 8 bis 12 kWp ist die Dachmontage meist an ein bis zwei Tagen erledigt. Ablauf in der Regel:
- Gerüst: Wird ein bis zwei Tage vorher gestellt. Ein Fanggerüst an der Traufe ist bei den üblichen Arbeitshöhen Pflicht.
- Haken setzen: Ziegel werden an den Hakenpositionen angehoben oder entnommen, der Haken auf dem Sparren verschraubt – bei Bedarf mit Unterfütterung, damit er auf gleicher Höhe liegt.
- Ziegel anpassen: Der Ziegel über dem Haken wird an der Unterseite ausgeklinkt, damit er wieder flach aufliegt, ohne den Haken zu berühren.
- Schienen und Module: Schienen ausrichten, Module einlegen, Klemmen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Verkabelung: Modulstecker verbinden, Stringleitungen unter den Modulen führen und durch eine Lüfter- oder Durchführungspfanne ins Gebäude bringen.
Im Anschluss folgen Wechselrichter, Speicher und Zählerschrank im Haus, oft von einem zweiten Team am selben oder nächsten Tag. Die Inbetriebnahme folgt erst, wenn der Netzbetreiber die Anmeldung bestätigt und gegebenenfalls den Zähler getauscht hat. Bis dahin bleibt die Anlage abgeschaltet – auch wenn die Sonne scheint.
Besonderheiten je nach Eindeckung
| Eindeckung | Montagehinweis | Aufwand |
|---|---|---|
| Betondachstein | Robust, Standardhaken passen fast immer | gering |
| Tondachziegel (Falzziegel) | Ausklinken mit Trennschleifer, Bruchgefahr bei alten Ziegeln | gering bis mittel |
| Biberschwanz | Mehrlagige Deckung, spezielle Biberhaken oder Ersatzbleche nötig | mittel bis hoch |
| Schiefer, Faserzement | Eigene Befestigungssysteme; asbesthaltige Platten nicht belegbar | hoch |
Bei Biberschwanzdächern sollten Sie Ersatzziegel einplanen. Passende historische Formate sind nicht immer leicht zu bekommen, und bei 60 Jahre alten Ziegeln geht bei jeder Montage ein Teil zu Bruch. Wer das Dach in absehbarer Zeit ohnehin neu decken will, prüft besser zuerst, ob eine Dachsanierung vor der PV-Anlage sinnvoll ist, oder ob eine Indach-Lösung in Frage kommt.
Wie viele Haken braucht es?
Die Anzahl ergibt sich aus der statischen Berechnung des Montagesystems: Modulfläche, Wind- und Schneelastzone, Gebäudehöhe und Dachneigung. Im Münchner Stadtgebiet genügen oft zwei Haken je Sparren und Schienenpaar in größerem Abstand. Im Alpenvorland mit höherer Schneelast werden die Abstände enger, teils werden verstärkte Haken nötig. Das Montagesystem sollte für den konkreten Standort ausgelegt sein – nicht für einen Durchschnittswert. Hintergründe unter Statik und Schneelast in Bayern.
Blitzschutz und Potentialausgleich
Hat das Haus eine äußere Blitzschutzanlage, muss die Photovoltaik darin eingebunden werden. Die Module brauchen dann Trennungsabstände zu den Fangleitungen oder zusätzliche Fangstangen. Unabhängig davon wird das Montagegestell in den Potentialausgleich einbezogen. Beides gehört in die Planung, nicht in die Improvisation am Montagetag. Ein Überspannungsschutz auf der Gleichstrom- und Wechselstromseite ist heute Standard, sollte im Angebot aber ausdrücklich genannt sein. Fehlt er, lohnt eine Nachfrage beim Anbieter.
Die Kabelführung ins Haus
Die Gleichstromleitungen müssen wettergeschützt, UV-beständig und mechanisch sicher geführt werden. Sauber gelöst ist das, wenn:
- die Leitungen unter den Modulen an den Schienen befestigt sind und nicht auf den Ziegeln scheuern,
- die Dachdurchführung über ein Formteil oder eine Lüfterpfanne erfolgt und nicht durch einen angebohrten Ziegel,
- der Weg zum Wechselrichter kurz ist und nicht durch Wohnräume offen verläuft,
- Steckverbinder vom selben Hersteller verwendet werden – gemischte Stecker sind eine bekannte Fehlerquelle.
Woran Sie gute Arbeit erkennen
Nach der Montage lohnt ein kurzer Kontrollblick, am besten mit Fotos, die der Betrieb während der Arbeit macht. Die Ziegel liegen gleichmäßig, es gibt keine sichtbaren Spalten an den Hakenpositionen, die Module sind in einer Flucht ausgerichtet. Die Dokumentation sollte Stringplan, Messprotokoll und die statische Auslegung des Montagesystems enthalten. Die Übergabe umfasst außerdem eine Einweisung in Wechselrichter, App und Abschaltmöglichkeiten. Was sonst in ein vollständiges Angebot gehört, fasst der Beitrag Photovoltaik-Angebote vergleichen zusammen.
Wir montieren mit eigenen Teams auf allen gängigen Eindeckungen und übernehmen die Anmeldung beim Netzbetreiber. Details zur Montage und Netzanmeldung – oder Anfrage stellen.



