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Ratgeber

Ost-West oder Süd: welche Ausrichtung lohnt sich?

Erträge je kWp für Süd, Ost-West und Nord im Raum München, Tagesprofil, Eigenverbrauch und warum das Solarspitzengesetz Ost-West-Dächer aufwertet.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Ost-West oder Süd: welche Ausrichtung lohnt sich?

Lange galt ein Süddach als Voraussetzung für Photovoltaik. Das hat sich geändert – nicht weil Süddächer schlechter geworden wären, sondern weil sich die Wirtschaftlichkeit verschoben hat. Seit die Einspeisevergütung deutlich unter dem Strompreis liegt, zählt vor allem, wie viel Solarstrom Sie selbst nutzen. Und dafür ist nicht nur die Jahresmenge entscheidend, sondern der Zeitpunkt, zu dem sie anfällt.

Die Frage lautet deshalb nicht mehr „Süd oder nicht“, sondern: Welche Dachflächen bringen in Ihrem Haushalt den größten Nutzen?

Die Jahreserträge im Vergleich

Im Raum München liefert ein Kilowatt-Peak bei Südausrichtung und rund 30 Grad Neigung etwa 1.000 bis 1.150 kWh im Jahr. Andere Ausrichtungen bringen weniger, aber weniger dramatisch, als viele erwarten:

Ausrichtung und NeigungJahresertrag je kWp (Raum München, Richtwert)Relativ zu Süd 30°
Süd, 30°ca. 1.000–1.150 kWh100 %
Südost oder Südwest, 30°ca. 950–1.100 kWhca. 95 %
Ost-West, 15–30°ca. 880–1.000 kWhca. 85–90 %
Ost-West, 10° (Flachdach, aufgeständert)ca. 900–1.000 kWhca. 88–90 %
reines Norddach, 30°ca. 600–700 kWhca. 60–65 %

Die Werte sind Richtgrößen ohne Verschattung. Je flacher das Dach, desto kleiner wird der Unterschied zwischen den Himmelsrichtungen. Bei steilen Dächern ab etwa 45 Grad wird die Ausrichtung wichtiger.

Das Tagesprofil macht den Unterschied

Eine Südanlage erzeugt eine hohe, schmale Mittagsspitze. Eine Ost-West-Anlage verteilt ihren Ertrag auf zwei flachere Hügel: Die Ostseite liefert ab dem frühen Morgen, die Westseite bis in den Abend. Die Spitzenleistung liegt bei Ost-West typischerweise nur bei 60 bis 70 Prozent der Nennleistung.

Für einen Haushalt, der morgens duscht, Kaffee kocht und abends kocht, wäscht und das Auto lädt, passt das zweite Profil oft besser. Der Eigenverbrauchsanteil steigt bei gleicher Anlagengröße um einige Prozentpunkte. Das gleicht einen Teil des geringeren Jahresertrags wieder aus.

Ein Rechenbeispiel

Angenommen, ein Haushalt verbraucht 4.500 kWh im Jahr und installiert entweder 8 kWp nach Süden oder 8 kWp nach Ost-West, jeweils ohne Speicher:

  • Süd: ca. 8.600 kWh Ertrag, davon etwa 28 % selbst genutzt = rund 2.400 kWh
  • Ost-West: ca. 7.600 kWh Ertrag, davon etwa 33 % selbst genutzt = rund 2.500 kWh

Die selbst genutzte Menge ist fast gleich, der Unterschied liegt in der Einspeisung, die mit einem Satz grob in der Größenordnung von 7 bis 8 Cent vergütet wird. Der finanzielle Abstand fällt damit kleiner aus, als der Blick auf den Jahresertrag vermuten lässt. Die Zahlen sind vereinfacht; die tatsächliche Quote hängt von Ihrem Verbrauchsprofil ab. Mehr zum Zusammenhang im Beitrag Eigenverbrauch und Autarkiegrad.

Das Solarspitzengesetz verschiebt die Gewichte weiter

Für Neuanlagen gibt es in Zeiten negativer Börsenstrompreise keine Einspeisevergütung – und diese Zeiten fallen vor allem auf sonnige Mittagsstunden an Wochenenden und Feiertagen im Frühjahr und Sommer. Ohne Smart Meter mit Steuerbox ist die Einspeisung zudem auf 60 Prozent der Modulleistung begrenzt.

Beides trifft Südanlagen stärker, weil ihr Ertrag sich genau in diesen Stunden ballt. Eine Ost-West-Anlage erreicht die 60-Prozent-Grenze seltener und liefert mehr außerhalb der kritischen Mittagszeit. Mit Speicher und Energiemanagement lassen sich die Effekte bei beiden Ausrichtungen deutlich abmildern.

Wann Süd trotzdem die bessere Wahl ist

  • Kleine Dachfläche: Wenn nur eine Seite belegt werden kann, bringt die Südseite pro Quadratmeter den höchsten Ertrag.
  • Volleinspeisung: Wer nicht selbst verbraucht, sondern einspeist, maximiert die Jahresmenge. Dazu der Beitrag Volleinspeisung oder Überschusseinspeisung.
  • Wärmepumpe im Winter: Steile Südflächen liefern bei tief stehender Wintersonne mehr als flache Ost-West-Flächen. Der Beitrag bleibt trotzdem gering, siehe Photovoltaik im Winter.
  • Schnee: Steilere Flächen werden schneller frei, was im Alpenvorland ein paar Wintertage Ertrag bringt.

Wann Ost-West überzeugt

  • Satteldach mit Ost- und Westseite: Beide Seiten belegen verdoppelt die nutzbare Fläche.
  • Flachdach: Aufgeständerte Ost-West-Belegung passt deutlich mehr Leistung aufs Dach, weil sich die Module kaum gegenseitig verschatten und weniger Abstand brauchen.
  • Hoher Verbrauch morgens und abends, etwa mit Elektroauto, das nach der Arbeit geladen wird.
  • Wechselrichter kann kleiner ausfallen, weil die Spitzen niedriger sind – mehr dazu bei den Wechselrichter-Arten.

Auch die Montage unterscheidet sich kaum: Auf einem Satteldach mit Ost- und Westseite braucht es zwei Modulfelder, zwei Stränge und einen Wechselrichter mit mindestens zwei MPP-Trackern. Gerüst, Anmeldung und Zählerschrank fallen ohnehin nur einmal an. Die zweite Dachseite kostet daher je kWp meist etwas weniger als die erste, was den geringeren Ertrag je kWp zum Teil wieder ausgleicht.

Und die Norddachseite?

Norddächer mit flacher Neigung (unter 20 Grad) können sich lohnen, wenn die Module günstig sind und das übrige Dach belegt ist. Ertrag von 60 bis 75 Prozent eines Süddachs ist bei aktuellen Modulpreisen nicht mehr automatisch unwirtschaftlich. Bei steilen Norddächern raten wir in der Regel ab. Auch Blendwirkung auf Nachbarn ist bei ungewöhnlichen Ausrichtungen zu bedenken.

Unsere Herangehensweise

Wir betrachten zuerst Ihr Verbrauchsprofil – heute und in fünf Jahren mit möglicher Wärmepumpe oder Wallbox – und belegen dann die Flächen, die dazu passen. Für ein Einfamilienhaus mit Satteldach ist die Antwort häufig: beide Seiten, mit getrennten MPP-Trackern. Anfrage stellen

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