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Ratgeber

PV-Angebote vergleichen: Worauf es wirklich ankommt.

Preis je kWp allein sagt wenig. Welche Positionen ein PV-Angebot enthalten muss, welche Annahmen Sie prüfen sollten und woran Sie Lücken erkennen.

Münchener Photovoltaik3 Min. Lesezeit
PV-Angebote vergleichen: Worauf es wirklich ankommt

Zwei Angebote für dasselbe Dach, 4.000 Euro Preisunterschied – und auf den ersten Blick dieselbe Anlage. In der Praxis steckt die Differenz fast immer in Positionen, die im günstigeren Angebot fehlen, pauschal formuliert sind oder später als Nachtrag kommen. Ein fairer Vergleich beginnt deshalb nicht beim Endpreis, sondern beim Leistungsumfang.

Erst angleichen, dann vergleichen

Bevor Sie Preise gegenüberstellen, sollten die Angebote auf denselben Stand gebracht werden. Drei Fragen helfen dabei:

  1. Ist die Anlagengröße in kWp gleich oder zumindest ähnlich? Eine um 1 kWp größere Anlage ist nicht teurer, sondern anders.
  2. Ist ein Speicher enthalten, und wenn ja, mit welcher nutzbaren Kapazität?
  3. Welche Nebenleistungen sind enthalten – Gerüst, Zählerschrank, Anmeldung, Inbetriebnahme?

Weichen die Angebote bei der Anlagengröße stark voneinander ab, lohnt die Nachfrage nach dem Grund. Der eine Anbieter belegt vielleicht nur die Südseite, der andere zusätzlich Ost und West, ein dritter spart Dachflächen wegen Verschattung aus. Das ist keine Frage von richtig oder falsch, sondern von Annahmen, die offen gelegt sein sollten.

Erst danach ist der Preis je kWp aussagekräftig. Als Richtwert für 2026: Eine schlüsselfertige Anlage mit 8 bis 12 kWp auf einem Einfamilienhaus kostet ohne Speicher etwa 1.200 bis 1.700 Euro je kWp, ein Speicher zusätzlich etwa 500 bis 900 Euro je kWh. Die Spanne hängt von Dachform, Zugänglichkeit, Komponenten und Zustand der Elektroinstallation ab. Mehr dazu unter Was kostet eine PV-Anlage 2026.

Die Positionen im Detail

PositionSollte konkret drinstehenWarnsignal
ModuleHersteller, Typ, Leistung je Modul, Anzahl„Markenmodule ca. 430 Wp“ ohne Typ
WechselrichterHersteller, Modell, Leistung, Hybrid ja/neindeutlich unterdimensioniert ohne Begründung
Speichernutzbare Kapazität in kWh, Zellchemie, Erweiterbarkeitnur Bruttokapazität angegeben
UnterkonstruktionSystem, Dachhaken, statischer Nachweis bzw. Berechnungkeine Angabe zur Schneelast
ElektrikLeitungswege, Überspannungsschutz, AC-Anschluss„Elektroarbeiten pauschal“
ZählerschrankPrüfung, ggf. Erneuerung mit Preis„nach Aufwand“ ohne Obergrenze
GerüstArt, Standzeit, inklusive oder separatfehlt ganz
AnmeldungNetzbetreiber, Marktstammdatenregister, Inbetriebnahme„Unterstützung bei der Anmeldung“

Der Zählerschrank ist die häufigste Quelle für Nachträge. Ältere Schränke müssen oft erneuert werden, was je nach Umfang einen vierstelligen Betrag ausmachen kann. Ein seriöses Angebot hat den Schrank vor Ort angesehen oder weist die Position zumindest transparent aus. Hintergründe unter Zählerschrank erneuern.

Steuer richtig ausgewiesen?

Für Anlagen bis 30 kWp auf oder nahe Wohngebäuden gilt der Nullsteuersatz. Auf dem Angebot sollte deshalb 0 Prozent Umsatzsteuer stehen – für Module, Wechselrichter, Speicher und Montage. Nebenleistungen, die nicht zur Anlage gehören, etwa eine Wallbox oder eine Dachreparatur, werden regulär besteuert. Ist die Aufteilung unklar, nachfragen.

Die Wirtschaftlichkeitsrechnung prüfen

Viele Angebote enthalten eine Amortisationsrechnung. Sie ist nützlich, aber nur so ehrlich wie ihre Annahmen:

  • Ertrag: Im Raum München sind bei Süddächern 1.000 bis 1.150 kWh je kWp realistisch. Werte deutlich darüber brauchen eine Begründung.
  • Eigenverbrauch: Ohne Speicher liegt er im Einfamilienhaus meist bei 25 bis 35 Prozent, mit Speicher bei 50 bis 70 Prozent. Höhere Quoten sind nur mit Wärmepumpe, E-Auto und gutem Lastmanagement erreichbar.
  • Strompreissteigerung: Annahmen von 4 bis 5 Prozent pro Jahr über 20 Jahre lassen jede Rechnung glänzen. Rechnen Sie zum Vergleich auch mit konstanten Preisen.
  • Degradation und Wartung: Leistungsverlust der Module und ein Wechselrichtertausch nach 12 bis 15 Jahren gehören in die Rechnung.

Wie eine nüchterne Rechnung aussieht, zeigt der Beitrag Lohnt sich Photovoltaik?.

Komponenten: teuer ist nicht automatisch besser

Unterschiede bei Modulen sind heute kleiner als bei Wechselrichtern und Speichern. Wichtiger als die Marke sind passende Auslegung und Service im Garantiefall: Wer tauscht einen defekten Wechselrichter, wie schnell, und wer trägt die Arbeitskosten? Ein Hybridwechselrichter ist sinnvoll, wenn ein Speicher jetzt oder später geplant ist; Optimierer oder Modulwechselrichter lohnen sich vor allem bei Teilverschattung. Bei Speichern ist die nutzbare Kapazität entscheidend, nicht die Bruttoangabe, und die Frage, ob er sich später modular erweitern lässt.

Garantien auseinanderhalten

  • Produktgarantie des Herstellers: deckt Material- und Verarbeitungsfehler, bei Modulen oft 12 bis 25 Jahre.
  • Leistungsgarantie: sichert einen Mindestanteil der Nennleistung nach 25 oder 30 Jahren zu.
  • Gewährleistung des Installateurs: gesetzlich, bezieht sich auf die Montage.
  • Zusätzliche Handwerkergarantie: freiwillig, lohnt einen Blick ins Kleingedruckte.

Weiche Faktoren mit harten Folgen

Ein Angebot, das ohne Vor-Ort-Termin nur anhand von Satellitenbildern erstellt wurde, kann stimmen – oder Verschattung, Dachzustand und Zählerschrank übersehen. Achten Sie auch darauf, ob der Betrieb selbst montiert oder Subunternehmer einsetzt, wie erreichbar er nach der Inbetriebnahme ist und ob Wartung angeboten wird. Worauf Sie bei der Auswahl des Betriebs achten sollten, steht unter Solarteur-Fachbetrieb finden. Eine Vergleichsliste zum Abhaken finden Sie bei den Checklisten.

Wenn Sie bereits ein Angebot haben und eine zweite Einschätzung möchten, sehen wir es uns im Rahmen der Photovoltaik-Beratung an und erstellen auf Wunsch ein eigenes, vergleichbares Angebot: Anfrage stellen.

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