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Ratgeber

Photovoltaik auf Carport und Garage: Was ist möglich?

Solarcarport oder Garagendach: Leistung je Stellplatz, Baurecht in Bayern, Statik und Kabelweg zum Haus – was bei kleinen Nebengebäuden zu beachten ist.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Photovoltaik auf Carport und Garage: Was ist möglich?

Nicht jedes Hausdach eignet sich für Photovoltaik. Mal ist es verschattet, mal denkmalgeschützt, mal bereits belegt und zu klein. Garagen und Carports sind dann eine naheliegende Ergänzung – und bei Neubauten zunehmend eine eigene Planungsaufgabe, weil das Auto darunter ohnehin geladen werden will.

Die Leistung, die auf einem Nebengebäude Platz findet, ist überschaubar. Gerade deshalb sollten die Nebenkosten – Leitungsweg, Fundament, Statik – vorher klar sein.

Wie viel Leistung passt drauf?

Ein Stellplatz misst in der Regel 2,5 × 5 Meter. Rechnen Sie mit etwa 5 bis 6 m² Fläche je kWp, ergibt sich:

BauwerkDachflächeLeistungJahresertrag (Raum München)
Einzelcarportca. 15 m²2,5–3 kWpca. 2.300–3.100 kWh
Doppelcarportca. 30 m²5–6 kWpca. 4.600–6.300 kWh
Doppelgarage mit Flachdachca. 36 m² brutto4–6 kWp je nach Aufständerungca. 4.000–6.000 kWh

Die Ertragsspanne hängt vor allem an der Neigung. Carports mit Pultdach haben oft nur 3 bis 10 Grad – das reicht für die Selbstreinigung bei Regen, kostet aber im Vergleich zu 30 Grad einige Prozent Ertrag.

Zum Vergleich: Ein Elektroauto mit 12.000 km Jahresfahrleistung braucht rund 2.000 bis 2.500 kWh. Ein Doppelcarport erzeugt rechnerisch also mehr als das. Zeitlich passt es allerdings nur, wenn das Auto tagsüber zu Hause steht. Wie sich das steuern lässt, beschreibt der Beitrag Wallbox mit PV-Überschussladen.

Drei Varianten

Bestehende Garage nachrüsten

Das Flachdach einer Fertig- oder gemauerten Garage wird mit einem leichten Ost-West- oder Süd-Gestell belegt. Die wichtigste Frage ist die Tragfähigkeit: Betonfertiggaragen haben meist Reserven, Leichtbaugaragen aus Blech oft nicht. Ballastsysteme scheiden dort häufig aus. Hinweise zur Aufständerung stehen im Beitrag Photovoltaik auf dem Flachdach.

Bestehenden Carport nachrüsten

Holzcarports aus dem Baumarkt sind in der Regel nicht für zusätzliche Lasten ausgelegt, schon gar nicht in Lagen mit hoher Schneelast. Eine Nachrüstung ist möglich, erfordert aber oft verstärkte Pfetten oder zusätzliche Stützen. Die Kosten dafür sollten vorher bekannt sein.

Solarcarport neu bauen

Systemcarports aus Stahl oder Aluminium sind von vornherein für die Modullast ausgelegt. Teilweise bilden die Module selbst das Dach, dann sind Glas-Glas-Module mit dichter Fugenausbildung sinnvoll. Das ist die sauberste, aber auch teuerste Lösung. Für das Fundament werden meist Punktfundamente oder Schraubfundamente gesetzt, je nach Boden und Leitungen im Untergrund.

Baurecht: in Bayern oft verfahrensfrei – mit Grenzen

Die Solaranlage auf dem Dach eines bestehenden Nebengebäudes ist in Bayern in der Regel verfahrensfrei. Für einen neuen Carport oder eine neue Garage gilt: Nach der Bayerischen Bauordnung sind Garagen und überdachte Stellplätze bis zu einer bestimmten Größe verfahrensfrei – derzeit bis 50 m² Brutto-Grundfläche und einer mittleren Wandhöhe bis 3 Meter, nicht im Außenbereich. Verfahrensfrei heißt aber nicht regellos: Festsetzungen des Bebauungsplans, Abstandsflächen und gegebenenfalls Gestaltungssatzungen gelten weiter. Bei Grenzbebauung ist die Gesamthöhe mit Modulen entscheidend. Ausführlich dazu der Beitrag Genehmigung und Baurecht in Bayern.

Statik und Schnee

Nebengebäude sind leichter gebaut als Wohnhäuser. Bei einem Carport mit flacher Neigung bleibt Schnee zudem lange liegen. Im Münchner Stadtgebiet ist das meist beherrschbar, im Alpenvorland mit deutlich höheren Schneelasten muss die Konstruktion nachweislich dafür ausgelegt sein. Mehr zu den regionalen Unterschieden im Beitrag Statik und Schneelast in Bayern.

Leitungsweg zum Haus

Der oft unterschätzte Posten: Der Strom muss vom Nebengebäude zum Zählerschrank. Dafür gibt es zwei Wege:

  • Gleichstromleitung zum Wechselrichter im Haus: sinnvoll bei kurzen Wegen oder wenn der Carport als zusätzlicher String an einen vorhandenen Hybridwechselrichter angeschlossen wird.
  • Eigener Wechselrichter am Nebengebäude: Wechselstrom wird zum Haus geführt. Das bietet sich bei längeren Strecken an und wenn dort ohnehin die Wallbox sitzt.

Muss dafür gegraben werden – etwa quer durch Einfahrt oder Garten –, kommen Tiefbaukosten hinzu. Ein vorhandenes Leerrohr spart hier viel. Bei Neubauten lohnt es sich, gleich eines mit ausreichendem Querschnitt einzuplanen – idealerweise zwei: eines für die Leistungskabel, eines für Daten- und Steuerleitungen von Wallbox und Wechselrichter. Nachträglich ist das nur mit erheblichem Aufwand zu haben.

Was ein Solarcarport kostet

Die Kosten hängen stark von der Variante ab. Bei der Nachrüstung einer tragfähigen Betongarage liegen sie je kWp etwas über einer vergleichbaren Dachanlage, weil die Fixkosten auf wenig Leistung verteilt werden. Ein neuer Systemcarport mit Fundamenten, Modulen und Verkabelung kostet ein Vielfaches davon – hier bezahlen Sie in erster Linie das Bauwerk. Rechnen Sie die Carportanlage deshalb nicht isoliert, sondern als überdachten Stellplatz mit Stromerzeugung. Ob der Nullsteuersatz greift, hängt davon ab, welche Teile als Anlagenbestandteil gelten; das Angebot sollte Konstruktion und Photovoltaik getrennt ausweisen.

Erweiterung oder eigene Anlage?

Kommt die Carportanlage zu einer bestehenden Dachanlage hinzu, gelten für den neuen Teil die Vergütungssätze zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnahme. Messtechnisch und steuerlich gibt es einige Punkte zu beachten, etwa beim Zusammenfassen von Anlagen innerhalb von zwölf Monaten. Einzelheiten stehen im Beitrag PV-Anlage erweitern.

Wir planen Carport- und Garagenanlagen zusammen mit Wallbox und Leitungsweg. Mehr unter Wallbox und E-Mobilität – oder Anfrage stellen.

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