Die meisten Störungen an Photovoltaikanlagen sind keine spektakulären Ausfälle, sondern stille Verluste: ein String, der seit dem Frühjahr nichts liefert, ein Wechselrichter, der mittags abregelt, ein Modul mit Hotspot. Das Dach sieht dabei völlig normal aus. Auffallen tun solche Fehler nur in den Zahlen – vorausgesetzt, jemand sieht hin und weiß, was normal ist.
Drei Ebenen der Überwachung
Monitoring muss kein aufwendiges System sein. Es lässt sich in drei Stufen denken, die aufeinander aufbauen.
- Wechselrichter-Portal oder App: Nahezu jeder aktuelle Wechselrichter meldet seine Daten über WLAN oder LAN an ein Herstellerportal. Sie sehen Tages-, Monats- und Jahreserträge, oft auch Leistung je MPP-Tracker. Wichtig ist, dass die Verbindung dauerhaft steht – nach einem Routerwechsel bleibt das Portal häufig monatelang leer, ohne dass es jemand merkt.
- Zähler und Energiemanager: Ein Smart Meter oder ein Energiezähler am Netzanschluss erfasst zusätzlich Bezug, Einspeisung und Eigenverbrauch. Erst damit wird sichtbar, wie viel Solarstrom tatsächlich im Haus bleibt. In Verbindung mit einem Energiemanagementsystem lassen sich Wallbox, Wärmepumpe und Speicher in einer Ansicht zusammenführen.
- Automatische Alarme: Die meisten Portale können E-Mails oder Push-Nachrichten verschicken, wenn der Wechselrichter offline geht oder eine Fehlermeldung ausgibt. Diese Funktion ist oft ab Werk deaktiviert und sollte bei der Inbetriebnahme eingerichtet werden.
Welcher Ertrag ist normal?
Die wichtigste Kennzahl ist der spezifische Ertrag in kWh je kWp. Er macht Anlagen unterschiedlicher Größe vergleichbar. Im Raum München liegen gut ausgerichtete Anlagen im Jahresmittel bei etwa 1.000 bis 1.150 kWh/kWp, Ost-West-Anlagen etwa 10 bis 15 % darunter. Mehr zu den regionalen Unterschieden steht im Beitrag zum Solarertrag in München und Oberbayern.
Über das Jahr verteilt sich der Ertrag einer Südanlage bei 30° Neigung ungefähr so:
| Monat | Anteil am Jahresertrag | Bei 10 kWp und 1.050 kWh/kWp |
|---|---|---|
| Januar | ca. 2–3 % | 210–320 kWh |
| Februar | ca. 4–5 % | 420–530 kWh |
| März | ca. 8–9 % | 840–950 kWh |
| April | ca. 11–12 % | 1.150–1.260 kWh |
| Mai bis Juli | je ca. 12–13 % | je 1.260–1.370 kWh |
| August | ca. 11–12 % | 1.150–1.260 kWh |
| September | ca. 9 % | ca. 950 kWh |
| Oktober | ca. 6 % | ca. 630 kWh |
| November | ca. 3 % | ca. 320 kWh |
| Dezember | ca. 2 % | ca. 210 kWh |
Einzelne Monate können deutlich abweichen. Ein verregneter Mai liegt schnell 20 % unter dem Schnitt, ein Winter mit wochenlanger Schneedecke auf den Modulen ebenso. Aussagekräftig sind daher vor allem Vergleiche über mehrere Monate oder mit einer Referenz.
Richtig vergleichen
Ein Monatswert allein sagt wenig. Diese Vergleiche liefern verwertbare Hinweise:
- Vorjahresmonat: Schwankungen von 10 bis 15 % sind wetterbedingt normal. Liegt ein Monat 30 % darunter, obwohl das Wetter vergleichbar war, lohnt ein genauerer Blick.
- Strings untereinander: Zwei gleich große, gleich ausgerichtete Strings sollten fast identische Werte liefern. Eine dauerhafte Differenz von mehr als 5 % deutet auf ein Problem hin.
- Nachbaranlagen: Öffentliche Ertragsdatenbanken oder der Austausch mit Nachbarn helfen, Wettereffekte herauszurechnen.
- Tageskurve: An einem wolkenlosen Tag sollte die Leistungskurve glatt und glockenförmig sein. Eine abgeschnittene Spitze bedeutet Abregelung, ein Knick am Vormittag eine wandernde Verschattung.
Typische Muster und ihre Bedeutung
Abgeflachte Mittagsspitze
Die Kurve steigt normal an und verläuft dann über Stunden waagerecht. Ursache ist meist eine Leistungsbegrenzung – entweder durch einen knapp dimensionierten Wechselrichter oder durch die Einspeisebegrenzung auf 60 % der Modulleistung, die das Solarspitzengesetz für Neuanlagen ohne Steuerbox vorsieht. Das ist kein Defekt, sollte aber bekannt und bewusst gewählt sein.
Plötzlicher Sprung nach unten
Fällt der Ertrag von einem Tag auf den nächsten um ein Viertel oder die Hälfte, ist meist ein String ausgefallen: Steckverbinder, Sicherung oder Kabelschaden. Das ist ein Fall für die Fachkraft, nicht zum Abwarten.
Schleichender Rückgang
Ein Minus von einigen Prozent über Jahre ist teils normale Alterung. Hochwertige Module verlieren etwa 0,3 bis 0,5 % pro Jahr; was darüber hinausgeht, kann auf Verschmutzung, zunehmende Verschattung durch wachsende Bäume oder degradierende Module hindeuten. Hintergründe im Beitrag zu Lebensdauer und Degradation.
Ertrag null an einzelnen Tagen
Wechselrichter, die sich bei Netzüberspannung abschalten, sind an sonnigen Tagen in Siedlungen mit vielen Anlagen keine Seltenheit. Häufen sich solche Abschaltungen, sollte der Netzbetreiber informiert werden.
Eine einfache Routine
Ein Hinweis zum Datenschutz und zur Datensicherheit: Viele Portale laufen über Server des Herstellers. Wer das nicht möchte, kann bei vielen Geräten die Daten auch lokal im Heimnetz abrufen, etwa über eine Schnittstelle zu einem eigenen Energiemanager. Wichtig ist in jedem Fall, das Standardpasswort des Wechselrichters zu ändern und Firmware-Updates nicht dauerhaft aufzuschieben.
Für die meisten Haushalte genügt: Alarme im Portal aktivieren, einmal im Monat den Monatswert mit dem Vorjahr vergleichen und einmal im Jahr den spezifischen Jahresertrag berechnen. Wer das über einige Jahre in eine Tabelle schreibt, hat eine belastbare Grundlage, falls später Garantieansprüche oder Versicherungsfragen auftauchen.
Wenn die Zahlen nicht passen
Stellen Sie Auffälligkeiten fest, finden Sie eine strukturierte Übersicht der möglichen Ursachen im Beitrag PV-Anlage bringt zu wenig Ertrag. Über unseren Wartungs- und Service-Bereich werten wir Ihre Portaldaten aus und prüfen die Anlage bei Bedarf vor Ort. Sprechen Sie uns über eine Anfrage stellen an.



