„Die Anlage bringt weniger als versprochen“ – dieser Satz steht am Anfang vieler Servicegespräche. Manchmal steckt ein echter Defekt dahinter, manchmal eine zu optimistische Prognose im ursprünglichen Angebot, und manchmal schlicht ein ungewöhnlich trübes Jahr. Um die Ursache zu finden, hilft eine feste Reihenfolge: erst prüfen, ob überhaupt ein Minderertrag vorliegt, dann von den einfachen zu den aufwendigen Ursachen vorarbeiten.
Schritt 1: Ist der Ertrag wirklich zu niedrig?
Bevor jemand aufs Dach steigt, sollte die Erwartung stimmen. Rechnen Sie den Jahresertrag in kWh je installiertem kWp um. Liegt der Wert für eine Südanlage im Raum München zwischen 1.000 und 1.150 kWh/kWp, ist die Anlage im normalen Bereich. Bei Ost-West sind 850 bis 1.000 kWh/kWp üblich, bei ungünstiger Neigung oder Teilverschattung auch weniger.
Häufige Missverständnisse:
- Prognose aus dem Angebot: Manche Simulationen rechnen mit idealer Einstrahlung, ohne Verschattung durch Gauben, Kamine oder Nachbarbäume. Prüfen Sie, welche Annahmen hinterlegt waren.
- Ein schlechtes Jahr: Jahreserträge schwanken wetterbedingt um etwa ±5 bis 10 %. Ein einzelnes schwaches Jahr ist noch kein Befund.
- Einspeisung statt Erzeugung: Der Einspeisezähler zeigt nur, was ins Netz geht. Der Eigenverbrauch fehlt in dieser Zahl – wer Speicher, Wärmepumpe oder Elektroauto ergänzt hat, sieht zwangsläufig weniger Einspeisung.
Schritt 2: Ursachen nach Wahrscheinlichkeit
| Ursache | Typisches Bild in den Daten | Größenordnung |
|---|---|---|
| Wechselrichter offline / Datenlücke | Tage oder Wochen ohne Werte | bis 100 % im Zeitraum |
| String ausgefallen | plötzlicher, konstanter Einbruch | Anteil des Strings, oft 30–50 % |
| Einspeisebegrenzung (z. B. 60 %) | flache Mittagskurve an klaren Tagen | einige Prozent, je nach Ausrichtung und Speicher |
| Netzüberspannung | kurze Abschaltungen an sonnigen Mittagen | gering bis spürbar |
| Neue oder gewachsene Verschattung | Knick zur gleichen Uhrzeit | stark abhängig von Lage |
| Verschmutzung | schleichend, nach Regen besser | meist 0–5 % |
| Moduldefekt, Hotspot, PID | einzelner String schwächer als andere | schleichend zunehmend |
Schritt 3: Was Sie selbst prüfen können
Datenverbindung
Der häufigste „Minderertrag“ ist ein Monitoring, das seit dem letzten Routertausch keine Daten mehr sendet. Die Anlage produziert, aber niemand sieht es. Prüfen Sie am Wechselrichter-Display oder am Zähler, ob Strom erzeugt wird.
Fehlerspeicher
Viele Wechselrichter zeigen am Gerät oder in der App eine Ereignisliste. Meldungen wie „Isolationsfehler“, „Netzspannung zu hoch“ oder „String-Fehler“ grenzen die Suche erheblich ein. Fotografieren Sie die Liste, bevor Sie etwas zurücksetzen.
Tageskurve an einem klaren Tag
Suchen Sie sich im Portal einen wolkenlosen Tag heraus. Eine glatte Glockenkurve mit hohem Maximum spricht für eine gesunde Anlage. Zacken, Plateaus oder Einbrüche zu festen Uhrzeiten verraten Abregelung oder Verschattung. Wie Sie solche Kurven lesen, steht im Beitrag zum PV-Monitoring.
Sichtkontrolle vom Boden
Mit einem Fernglas erkennen Sie gebrochenes Glas, Laub in Ecken, Moos an Rahmenkanten und größere Verschmutzungen. Ob eine Reinigung sinnvoll wäre, erläutert der Beitrag Solarmodule reinigen.
Schritt 4: Fehlersuche durch die Fachkraft
Bleibt die Ursache unklar, wird gemessen. Eine Elektrofachkraft vergleicht Leerlaufspannung und Kurzschlussstrom je String mit den Sollwerten, misst den Isolationswiderstand und nimmt bei Bedarf eine Kennlinie auf. Eine Wärmebildaufnahme bei guter Einstrahlung macht Hotspots, defekte Bypass-Dioden und überhitzte Steckverbinder sichtbar. Für die Frage nach Mikrorissen, etwa nach einem Hagelereignis, kommt die Elektrolumineszenz-Aufnahme infrage.
Bei älteren Anlagen mit hoher Systemspannung und bestimmten Modultypen kann potenzialinduzierte Degradation (PID) auftreten. Sie zeigt sich als deutlicher Leistungsverlust einzelner Module am Stringende und lässt sich teilweise mit einer PID-Box rückgängig machen – wenn sie früh erkannt wird.
Sonderfall: Wechselrichter zu klein oder zu alt
Ein Wechselrichter, der deutlich kleiner ist als die Modulleistung, regelt an sonnigen Tagen ab. Ein Verhältnis von etwa 0,8 bis 1,0 zwischen Wechselrichter- und Modulleistung ist üblich und kostet kaum Ertrag. Liegt es weit darunter, verschenken Sie im Sommer Leistung. Bei älteren Geräten kommen nachlassende Wirkungsgrade und häufige Abschaltungen durch Überhitzung hinzu. Hier kann ein Tausch sinnvoll sein, wie im Beitrag zu Wechselrichter-Defekt und Tausch beschrieben.
Sonderfall: Veränderungen im Umfeld
Eine Anlage, die in den ersten Jahren gute Werte lieferte, kann durch äußere Veränderungen nachlassen, ohne dass an ihr selbst etwas defekt ist. Typische Beispiele sind Bäume, die über die Jahre in die Höhe wachsen, ein Neubau auf dem Nachbargrundstück, eine neue Satellitenschüssel oder ein nachgerüsteter Kaminaufsatz. Solche Verschattungen treffen oft nur einige Monate im Jahr, wenn die Sonne tief steht, und fallen deshalb erst im Jahresvergleich auf. Wie stark Teilverschattung wirkt und was Optimierer ausgleichen können, zeigt der Beitrag zu Verschattung und Bypass-Dioden.
Sonderfall: Sommerliche Hitze
Module verlieren pro Grad Zelltemperatur über 25 °C etwa 0,3 bis 0,4 % Leistung. An heißen Julitagen erreichen Module auf schlecht hinterlüfteten Dächern 60 °C und mehr, was die Spitzenleistung merklich drückt. Das ist Physik und kein Defekt. Deshalb liefern kühle, klare Frühjahrstage oft die höchsten Tagesspitzen des Jahres.
Wenn der Fehler gefunden ist
Viele Ursachen lassen sich schnell beheben: Steckverbinder tauschen, String-Sicherung ersetzen, Monitoring neu verbinden. Bei Moduldefekten innerhalb der Produktgarantie hilft eine saubere Dokumentation mit Messprotokoll. Über Störung und Reparatur übernehmen wir die Fehlersuche an Anlagen im Raum München und Oberbayern, auch wenn wir sie nicht selbst errichtet haben. Schicken Sie uns dazu gern Portaldaten oder Fotos des Fehlerspeichers über Anfrage stellen.


