Wer im Münchner Süden, im Oberland oder im Chiemgau wohnt, kennt die Sommergewitter, die sich an den Alpen aufstauen und mit Hagel über das Voralpenland ziehen. Dazu kommen Föhnstürme im Herbst und Frühjahr, die mit hohen Böengeschwindigkeiten über Dächer fegen. Für eine Photovoltaikanlage, die 25 Jahre auf dem Dach bleiben soll, sind das keine Randthemen.
Die Frage ist nicht, ob eine Anlage in dieser Zeit ein Unwetter erlebt, sondern ob sie dafür ausgelegt ist – und was zu tun ist, wenn doch etwas passiert.
Was Module an Hagel aushalten
Jedes zertifizierte Solarmodul durchläuft nach IEC 61215 einen Hageltest: Eiskugeln mit 25 mm Durchmesser werden mit rund 23 m/s auf definierte Stellen geschossen. Das entspricht normalem Hagel, nicht aber den großen Körnern, die bei Superzellen fallen können. Manche Hersteller testen freiwillig mit 35, 40 oder 45 mm; in der Schweiz ist eine Einstufung in Hagelwiderstandsklassen (HW1 bis HW5) verbreitet, die auch hierzulande als Orientierung dient.
| Hagelkorn | Einordnung | Typische Folge für Module |
|---|---|---|
| bis 20 mm | häufig, kaum kritisch | in der Regel keine Schäden |
| 25–30 mm | Prüfnorm-Niveau | meist unbeschädigt, vereinzelt Mikrorisse |
| 35–45 mm | schwerer Hagel | Glasbruch bei dünnem Glas möglich, Mikrorisse wahrscheinlicher |
| über 50 mm | Extremereignis | Glasbruch auch bei robusten Modulen möglich |
Entscheidend für die Widerstandsfähigkeit sind Glasdicke und Bauart. Klassische Glas-Folie-Module mit 3,2 mm Frontglas gelten als robust. Glas-Glas-Module haben oft zwei dünnere Scheiben von je 2 mm; sie sind insgesamt steif und langlebig, reagieren auf punktuelle Einschläge aber je nach Konstruktion unterschiedlich. Die Unterschiede erklärt der Beitrag zu Modularten und Glas-Glas. Wer in einer hagelgefährdeten Lage baut, sollte sich die Hageltestwerte des konkreten Moduls zeigen lassen.
Unsichtbare Schäden: Mikrorisse
Das Tückische an Hagel: Oft ist nach dem Unwetter kein Kratzer zu sehen, und trotzdem hat die Anlage Schaden genommen. Einschläge können in den Solarzellen feine Risse erzeugen. Diese mindern die Leistung zunächst kaum, wachsen aber durch Temperaturwechsel und Schneelast weiter. Nach ein bis drei Jahren zeigen sich dann Leistungsverluste oder Hotspots. Sichtbar werden Mikrorisse nur mit einer Elektrolumineszenz-Aufnahme, die in der Regel nachts oder mit abgedunkelten Modulen erstellt wird.
Sturm: Die Unterkonstruktion entscheidet
Bei Sturm sind nicht die Module selbst das Problem, sondern ihre Befestigung. Wind erzeugt an Dachrändern, Ecken und am First einen starken Sog. Die Montagesysteme werden deshalb nach DIN EN 1991-1-4 bemessen, abhängig von Windzone, Geländekategorie, Gebäudehöhe und Lage auf dem Dach. Im Randbereich sind mehr Dachhaken oder engere Klemmabstände nötig als in der Dachmitte.
Föhnlagen im Alpenvorland bringen teils kräftige Böen aus südlicher Richtung. Anlagen an exponierten Standorten – Hanglage, freistehender Hof, hohes Gebäude am Ortsrand – verdienen hier besondere Aufmerksamkeit. Auf Flachdächern mit Ballastsystem ist die korrekte Ballastberechnung zentral; ein Verrutschen der Gestelle nach einem Sturm ist ein Warnzeichen. Zur Tragfähigkeit des Daches allgemein siehe Statik und Schneelast in Bayern.
Schnee als dritte Belastung
Zu Hagel und Sturm kommt im Alpenvorland die Schneelast. Nasser, schwerer Schnee drückt flächig auf die Module und kann bei Rahmen mit geringer Belastbarkeit zu Verformungen führen, besonders an der unteren Modulkante, wo sich abrutschender Schnee staut. Module werden deshalb mit einer zulässigen Drucklast angegeben, die zur Schneelastzone des Standorts passen muss. In höher gelegenen Gemeinden Richtung Alpen sind die Anforderungen deutlich höher als in der Münchner Schotterebene.
Nach dem Unwetter: So gehen Sie vor
- Nicht aufs Dach steigen. Gebrochene Module stehen weiter unter Spannung, lose Teile können abrutschen.
- Vom Boden aus dokumentieren: Fotos von Dach, Modulen, Hagelkörnern (mit Maßstab, etwa einer Münze) und Schäden an Autos oder Gartenmöbeln. Das hilft später bei der Regulierung.
- Monitoring prüfen: Fehlermeldungen wie Isolationsfehler oder ein Einbruch einzelner Strings deuten auf beschädigte Module oder Leitungen.
- Versicherung zeitnah informieren. Die meisten Verträge verlangen eine unverzügliche Schadensmeldung.
- Fachkraft beauftragen: Sichtprüfung, Isolationsmessung und bei Verdacht Elektrolumineszenz. Bei Glasbruch muss der betroffene String bis zur Reparatur freigeschaltet werden, weil Feuchtigkeit eindringen kann.
Versicherung: Wer zahlt was?
Eine fest montierte Anlage auf dem Wohnhaus ist in vielen Wohngebäudeversicherungen gegen Sturm und Hagel mitversichert – aber nicht in allen und nicht immer ausreichend. Prüfen Sie, ob die Anlage im Vertrag genannt ist und ob die Versicherungssumme nach der Installation angepasst wurde. Eine separate Photovoltaikversicherung deckt meist mehr ab: auch Ertragsausfall, Überspannung, Marderbiss und Bedienfehler. Einen Überblick gibt der Beitrag zu Versicherung und Haftung.
Ein häufiger Streitpunkt sind Mikrorisse ohne sichtbaren Glasschaden. Versicherer erkennen sie eher an, wenn eine Elektrolumineszenz-Aufnahme kurz nach dem Ereignis vorliegt und idealerweise eine Vergleichsaufnahme oder zumindest ein Messprotokoll aus der Zeit vor dem Unwetter existiert.
Vorbeugen bei der Planung
- Module mit dokumentiert höherer Hagelresistenz wählen, wenn die Lage es nahelegt.
- Befestigung nach Windzone und Dachbereich statisch nachweisen lassen.
- Kabel so führen, dass sie bei Sturm nicht schlagen oder scheuern.
- Bei der Inbetriebnahme ein vollständiges Messprotokoll erstellen – es ist die Referenz für jeden späteren Schadensfall.
Unterstützung nach Hagel oder Sturm
Über Störung und Reparatur prüfen wir Anlagen nach Unwettern im Raum München und Oberbayern, erstellen Messprotokolle für die Versicherung und tauschen beschädigte Module. Bei akutem Schaden erreichen Sie uns über Anfrage stellen.

