Ob sich eine Photovoltaikanlage lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sehr gut durchrechnen. Die meisten Anlagen auf Einfamilienhäusern im Münchner Raum haben sich nach 10 bis 14 Jahren bezahlt gemacht und laufen danach noch ein Jahrzehnt oder länger weiter. Wie schnell es im Einzelfall geht, hängt an wenigen Stellschrauben – und an ehrlichen Annahmen.
Wir rechnen deshalb ein konkretes Beispiel vollständig vor und zeigen danach, welche Annahme das Ergebnis wie stark verschiebt.
Das Beispielhaus
Ein Einfamilienhaus im Münchner Umland, Satteldach mit Südausrichtung und rund 30 Grad Neigung, keine nennenswerte Verschattung. Vier Personen, einer arbeitet teilweise im Homeoffice, Jahresverbrauch 5.000 kWh. Noch keine Wärmepumpe, kein Elektroauto.
| Annahme | Wert | Begründung |
|---|---|---|
| Anlagengröße | 8 kWp | geeignete Dachfläche rund 40 m² |
| Spezifischer Ertrag | 1.000 kWh/kWp | untere Hälfte der Münchner Spanne von 1.000 bis 1.150 kWh |
| Jahresertrag | 8.000 kWh | 8 × 1.000 |
| Investition | 12.000 € | 1.500 €/kWp, ohne Speicher, Nullsteuersatz |
| Eigenverbrauchsquote | 25 % | typisch ohne Speicher: 25 bis 35 % |
| Strompreis Netzbezug | 34 ct/kWh | brutto, ohne unterstellte Preissteigerung |
| Einspeisevergütung | 7,5 ct/kWh | Größenordnung; maßgeblich ist der Satz bei Inbetriebnahme |
| Laufende Kosten | 120 €/Jahr | Versicherung, Messung, Rücklage |
Die Rechnung
- Selbst genutzter Strom: 25 Prozent von 8.000 kWh sind 2.000 kWh. Jede davon ersetzt eine gekaufte Kilowattstunde zu 34 Cent: 2.000 × 0,34 € = 680 € im Jahr.
- Eingespeister Strom: die übrigen 6.000 kWh zu 7,5 Cent: 6.000 × 0,075 € = 450 € im Jahr.
- Brutto-Vorteil: 680 € + 450 € = 1.130 €.
- Abzüglich laufender Kosten: 1.130 € − 120 € = 1.010 € pro Jahr.
- Amortisation: 12.000 € ÷ 1.010 € ≈ 11,9 Jahre.
Die selbst genutzten 2.000 kWh decken 40 Prozent des Haushaltsverbrauchs – der sogenannte Autarkiegrad. Über 25 Jahre Betriebszeit ergibt sich bei unveränderten Preisen ein Überschuss von grob 25 × 1.010 € − 12.000 € ≈ 13.000 €. Die leichte Modulalterung von etwa 0,3 bis 0,5 Prozent pro Jahr ist darin nicht berücksichtigt; sie schmälert das Ergebnis um einige hundert Euro.
Was das Ergebnis verschiebt
Jede Annahme für sich verändert, gegenüber dem Basisfall, die Amortisationszeit:
| Variante | Jahresvorteil netto | Amortisation |
|---|---|---|
| Basisfall | 1.010 € | 11,9 Jahre |
| Eigenverbrauch 35 % statt 25 % | 1.222 € | 9,8 Jahre |
| Strompreis 30 ct statt 34 ct | 930 € | 12,9 Jahre |
| Ertrag 1.100 statt 1.000 kWh/kWp | 1.123 € | 10,7 Jahre |
| Preis 1.300 statt 1.500 €/kWp | 1.010 € | 10,3 Jahre |
Die stärkste Stellschraube ist der Eigenverbrauch. Eine selbst genutzte Kilowattstunde ist gut viermal so viel wert wie eine eingespeiste. Wer tagsüber Waschmaschine, Spülmaschine oder später ein Elektroauto laufen lässt, verkürzt die Amortisation spürbar, ohne einen Euro zusätzlich zu investieren.
Und mit Speicher?
Ein Speicher mit 8 kWh kostet in unserem Beispiel rund 5.600 Euro (700 €/kWh). Er hebt den Eigenverbrauch realistisch von 2.000 auf etwa 3.300 kWh. Die zusätzlichen 1.300 kWh werden nicht mehr für 7,5 Cent eingespeist, sondern ersetzen Netzstrom für 34 Cent – ein Mehrwert von 26,5 Cent je kWh, also rund 345 Euro im Jahr. Der Speicher allein bräuchte damit gut 16 Jahre, um sich zu bezahlen; das liegt nahe an seiner erwarteten Lebensdauer.
Das heißt nicht, dass Speicher unsinnig sind. Mit Wärmepumpe, Elektroauto oder einem dynamischen Stromtarif sieht die Rechnung anders aus, und manchen Haushalten ist die Unabhängigkeit selbst etwas wert. Sie sollten aber wissen, dass der Speicher die Gesamtamortisation in der Regel verlängert. Hintergründe unter Stromspeicher: sinnvoll und in welcher Größe.
Drei Rechenfehler, die wir häufig sehen
Strompreissteigerung als Selbstläufer
Manche Prognosen setzen fünf Prozent Preissteigerung pro Jahr an. Das lässt jede Anlage glänzen, ist aber eine Wette. Rechnen Sie zuerst mit konstanten Preisen; steigen sie, ist das ein Bonus.
Einspeisevergütung als fester Wert für immer
Der Vergütungssatz ist für 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr fest, danach nicht mehr. Außerdem gibt es für Neuanlagen in Stunden mit negativen Börsenpreisen keine Vergütung. Was noch gezahlt wird, erklärt Einspeisevergütung 2026.
Autarkie statt Wirtschaftlichkeit
Ein hoher Autarkiegrad ist nicht automatisch wirtschaftlich. Die bessere Kennzahl für den Vergleich ist oft, was eine Kilowattstunde vom eigenen Dach kostet – dazu der Beitrag Stromgestehungskosten berechnen.
Was nach der Amortisation passiert
Ist die Anlage bezahlt, bleibt der jährliche Vorteil fast vollständig übrig. Zwei Ereignisse sollten Sie trotzdem einplanen: den Tausch des Wechselrichters, der erfahrungsgemäß nach 12 bis 20 Jahren fällig wird und je nach Gerät 1.500 bis 2.500 Euro kostet, und das Ende der Einspeisevergütung nach 20 Jahren plus Inbetriebnahmejahr. Danach sinkt der Wert jeder eingespeisten Kilowattstunde deutlich, während der selbst genutzte Strom seinen Wert behält. Wer die Anlage bis dahin auf hohen Eigenverbrauch ausgerichtet hat, spürt diesen Einschnitt kaum. Die in unserer Rechnung angesetzten 120 Euro laufende Kosten enthalten bereits eine kleine Rücklage für den Wechselrichter; wer vorsichtiger rechnen will, setzt 150 bis 200 Euro an und verlängert die Amortisation damit um etwa ein halbes bis ein Jahr.
Einordnung für München und Oberbayern
Die Einstrahlung im Raum München ist im bundesweiten Vergleich gut; im Alpenvorland liegt sie noch etwas höher, dort kostet die höhere Schneelast aber manchmal zusätzliche Befestigung. Ost-West-Dächer liefern etwa 10 bis 15 Prozent weniger Jahresertrag, verteilen ihn aber besser über den Tag – was den Eigenverbrauch erhöht und den Minderertrag teilweise ausgleicht. Eine Anlage ohne Speicher auf einem durchschnittlichen Dach amortisiert sich hier unter realistischen Annahmen fast immer innerhalb ihrer Lebensdauer.
Für Ihr Haus rechnen wir das mit Ihren echten Verbrauchsdaten und Ihrem Dach durch – im Rahmen der Planung einer Photovoltaikanlage für das Einfamilienhaus, auf Wunsch in mehreren Varianten mit und ohne Speicher. Anfrage stellen


