Zurück zu allen Ratgebern
Ratgeber

Eigenverbrauch und Autarkiegrad: der Unterschied erklärt.

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad werden oft verwechselt. So berechnen Sie beide Kennzahlen, welche Werte realistisch sind und was sie wirklich erhöht.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Eigenverbrauch und Autarkiegrad: der Unterschied erklärt

In fast jedem Photovoltaik-Angebot stehen zwei Prozentzahlen: Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad. Beide beschreiben denselben selbst genutzten Solarstrom, aber aus entgegengesetzter Richtung. Wer sie verwechselt, zieht falsche Schlüsse – etwa, dass eine größere Anlage „schlechter“ sei, weil ihre Eigenverbrauchsquote sinkt.

Zwei Kennzahlen, ein Zähler

Beide Werte teilen sich denselben Zähler im Bruch: die Kilowattstunden Solarstrom, die im Haus verbraucht statt eingespeist werden. Unterschiedlich ist nur der Nenner.

  • Eigenverbrauchsquote = selbst genutzter Solarstrom ÷ gesamte Solarerzeugung. Sie sagt, welcher Anteil Ihres Stroms im Haus bleibt.
  • Autarkiegrad = selbst genutzter Solarstrom ÷ gesamter Stromverbrauch des Haushalts. Er sagt, welcher Anteil Ihres Bedarfs vom eigenen Dach kommt.

Die Eigenverbrauchsquote ist die wirtschaftliche Kennzahl, weil sie bestimmt, wie viel Ihrer Erzeugung den hohen Wert „vermiedener Strombezug“ erreicht. Der Autarkiegrad beschreibt die Unabhängigkeit vom Netz – und damit, wie stark Sie künftige Strompreise noch betreffen.

Ein Haushalt, zwei Szenarien

Angenommen, ein Reihenendhaus in Germering verbraucht 4.000 kWh im Jahr. Auf dem Dach liegen 6 kWp, die bei rund 1.050 kWh/kWp etwa 6.300 kWh erzeugen.

ohne Speichermit 7-kWh-Speicher
Solarerzeugung6.300 kWh6.300 kWh
davon selbst genutzt1.700 kWh2.700 kWh
eingespeist4.600 kWh3.600 kWh (abzüglich Speicherverluste etwas weniger)
Eigenverbrauchsquote27 %43 %
Netzbezug2.300 kWh1.300 kWh
Autarkiegrad43 %68 %

Die Werte sind typische Größenordnungen, keine Messung. Weil die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch eher groß ist, bleibt die Eigenverbrauchsquote auch mit Speicher unter 50 Prozent. Sie zeigen aber das Prinzip: Der Speicher verschiebt Mittagsstrom in den Abend und hebt beide Kennzahlen um jeweils 1.000 kWh im Zähler an.

Warum eine größere Anlage die Quote senkt

Verdoppeln Sie im Beispiel die Anlage auf 12 kWp, steigt der selbst genutzte Strom nur wenig – vielleicht von 1.700 auf 2.000 kWh. Denn mittags, wenn die Anlage viel liefert, braucht der Haushalt nicht plötzlich mehr. Die Eigenverbrauchsquote fällt dadurch auf rund 16 Prozent, der Autarkiegrad steigt dagegen leicht auf 50 Prozent.

Ist die größere Anlage deshalb schlechter? Nicht unbedingt. Die zusätzlichen Module kosten je kWp deutlich weniger als die ersten, weil Gerüst, Anmeldung und Wechselrichter-Grundausstattung ohnehin anfallen. Kommt in einigen Jahren eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto dazu, ist die Fläche bereits belegt. Die Frage lautet also nicht „hohe Quote oder niedrige“, sondern: Rechnet sich jede zusätzliche Kilowattstunde auch dann, wenn sie eingespeist wird? Das beantwortet der Beitrag PV-Anlage: Größe berechnen.

Realistische Werte für Einfamilienhäuser

  • Ohne Speicher: Eigenverbrauchsquote meist 25 bis 35 Prozent, Autarkiegrad 30 bis 45 Prozent, abhängig vom Verhältnis Anlage zu Verbrauch.
  • Mit Speicher (grob 1 bis 1,5 kWh je kWp): Eigenverbrauchsquote meist 50 bis 70 Prozent bei passend dimensionierter Anlage, Autarkiegrad 55 bis 75 Prozent.
  • 100 Prozent Autarkie sind in Oberbayern mit vertretbarem Aufwand nicht erreichbar. Im Dezember liefert eine 10-kWp-Anlage oft nur 150 bis 300 kWh, an Tagen mit Schnee auf den Modulen nahezu nichts.

Versprechen jenseits von 80 Prozent Autarkie im Einfamilienhaus sollten Sie hinterfragen. Sie sind nur mit sehr großem Speicher oder sehr niedrigem Verbrauch plausibel.

Womit Sie den Eigenverbrauch erhöhen

Ohne Investition

Wasch- und Spülmaschine, Trockner oder Poolpumpe über Startzeitvorwahl in die Mittagsstunden legen. Bei Haushalten, die tagsüber zu Hause sind, bringt das oft 5 bis 10 Prozentpunkte Eigenverbrauchsquote.

Mit großen Verbrauchern

Ein Elektroauto, das tagsüber mit Überschuss lädt, verbraucht leicht 2.000 kWh im Jahr und kann einen großen Teil davon vom Dach beziehen – vorausgesetzt, es steht mittags häufig zu Hause. Mehr dazu unter Wallbox mit PV-Überschussladen. Eine Wärmepumpe erhöht den Verbrauch vor allem im Winter, wenn wenig Sonne da ist; ihr Beitrag zur Quote ist deshalb kleiner als oft angenommen, zur Warmwasserbereitung im Sommer aber sinnvoll.

Mit Speicher und Steuerung

Ein Speicher verschiebt Strom um einige Stunden, nicht über Wochen. Ein Energiemanagementsystem sorgt zusätzlich dafür, dass Wallbox, Wärmepumpe und Speicher nicht gegeneinander arbeiten, sondern Überschüsse in einer sinnvollen Reihenfolge nutzen.

Warum beide Kennzahlen im Jahreslauf schwanken

Im Juni erzeugt eine Anlage im Münchner Raum oft das Fünf- bis Achtfache dessen, was sie im Dezember liefert. Der Verbrauch eines Haushalts schwankt dagegen viel weniger. Die Folge: Im Sommer ist der Autarkiegrad hoch und die Eigenverbrauchsquote niedrig, weil viel Strom übrig bleibt; im Winter kehrt sich das um. Ein Speicher, der im Juli bis in die Nacht reicht, ist im Januar oft schon mittags leer. Monatswerte sind deshalb nur im Vergleich mit dem Vorjahresmonat aussagekräftig. Wer im Frühjahr eine neue Anlage in Betrieb nimmt, sollte sich von den ersten, sehr guten Monaten nicht täuschen lassen – der Jahreswert liegt am Ende deutlich darunter.

Wie Sie Ihre echten Werte ablesen

Die meisten Wechselrichter-Apps zeigen Erzeugung, Eigenverbrauch und Netzbezug an. Fehlt ein Energiezähler am Netzanschlusspunkt, kennt der Wechselrichter nur die Erzeugung – dann lassen sich die Kennzahlen aus den Zählerständen des Zweirichtungszählers berechnen: Eigenverbrauch = Erzeugung minus Einspeisung, Gesamtverbrauch = Eigenverbrauch plus Netzbezug. Ein Jahresvergleich ist aussagekräftiger als einzelne Monate, weil Sommer und Winter extrem unterschiedlich ausfallen.

Welche Kennzahl für Ihre Entscheidung zählt, hängt vom Ziel ab: Wer rechnet, schaut auf die Eigenverbrauchsquote und die Amortisation; wer unabhängiger werden will, auf den Autarkiegrad. Im Idealfall planen Sie beides zusammen.

Wie viel Eigenverbrauch ein Speicher in Ihrem Haushalt tatsächlich bringt, simulieren wir mit Ihren Verbrauchsdaten, bevor Sie sich festlegen – Details zur Leistung Stromspeicher. Anfrage stellen

Frage zum Thema?

Wir helfen persönlich.

Sie planen eine Solaranlage? Wir übernehmen Dachcheck, Planung, Montage und Netzanmeldung — aus einer Hand vom Münchner Fachbetrieb.

Jetzt anrufen089 620 84 215Anfrage