Die Amortisationszeit sagt, wann das Geld zurück ist. Die Stromgestehungskosten sagen etwas anderes: was eine einzelne Kilowattstunde vom eigenen Dach über die gesamte Lebensdauer kostet. Diese Zahl ist besonders nützlich, wenn Sie Angebote, Anlagengrößen oder die Frage „Speicher ja oder nein“ vergleichen wollen – denn sie lässt sich direkt neben den Strompreis und die Einspeisevergütung legen.
Die Formel
In der einfachen, unverzinsten Form:
Stromgestehungskosten = (Investition + alle laufenden Kosten über die Lebensdauer) ÷ gesamte Stromerzeugung über die Lebensdauer
Fachleute rechnen zusätzlich mit Abzinsung, weil ein Euro heute mehr wert ist als in 20 Jahren. Wir zeigen beide Varianten, damit Sie sehen, wie groß der Unterschied ist.
Beispiel: 10 kWp in München
Die Annahmen:
- Investition 15.000 € (1.500 €/kWp, ohne Speicher)
- Ertrag im ersten Jahr 10.000 kWh (1.000 kWh/kWp, vorsichtig angesetzt)
- Degradation 0,4 Prozent pro Jahr
- Betrachtungszeitraum 25 Jahre
- laufende Kosten 150 € pro Jahr (Versicherung, Messung, gelegentliche Prüfung)
- ein Wechselrichtertausch, etwa 2.000 €
Kosten über 25 Jahre
15.000 € + 25 × 150 € + 2.000 € = 20.750 €
Erzeugung über 25 Jahre
Durch die Degradation sinkt der Ertrag jedes Jahr leicht. Über 25 Jahre summiert sich das auf rund 23,85 volle Jahreserträge statt 25, also etwa 238.500 kWh.
Ergebnis
20.750 € ÷ 238.500 kWh = rund 8,7 ct/kWh
Zum Vergleich: Netzstrom kostet derzeit um die 30 bis 38 ct, die Einspeisevergütung für Neuanlagen liegt grob bei 7 bis 8 ct. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart damit etwa 25 ct gegenüber dem Netzbezug. Eine eingespeiste Kilowattstunde deckt dagegen ungefähr ihre Kosten, mehr nicht.
Mit Abzinsung wird es teurer
Rechnet man einen Kalkulationszins von 3 Prozent ein – etwa, weil das Geld sonst zu diesem Satz angelegt wäre –, verteilt sich die Investition nicht gleichmäßig, sondern als Annuität. Der Annuitätenfaktor für 25 Jahre und 3 Prozent liegt bei etwa 0,0574:
- Kapitalkosten: 15.000 € × 0,0574 ≈ 861 € pro Jahr
- laufende Kosten: 150 € pro Jahr
- Wechselrichter, auf 25 Jahre verteilt: 80 € pro Jahr
- zusammen rund 1.091 € pro Jahr
- durchschnittlicher Jahresertrag: 238.500 ÷ 25 = 9.540 kWh
1.091 € ÷ 9.540 kWh ≈ 11,4 ct/kWh. Das ist die ehrlichere Zahl, wenn Sie die Anlage mit einer Geldanlage vergleichen. Sie zeigt auch: Reine Einspeisung zu 7 bis 8 ct ist bei dieser Betrachtung knapp nicht kostendeckend. Der wirtschaftliche Kern einer Hausanlage ist der Eigenverbrauch – dazu mehr unter Eigenverbrauch und Autarkiegrad.
Größe macht den Strom billiger
Weil Gerüst, Planung und Anmeldung fix sind, sinken die Kosten je Kilowattstunde mit der Anlagengröße. Gleiche Methode, unverzinst, 25 Jahre:
| Anlage | Annahmen | Kosten gesamt | Erzeugung | ct/kWh |
|---|---|---|---|---|
| 5 kWp | 1.800 €/kWp, 120 €/Jahr, WR 1.500 € | 13.500 € | 119.250 kWh | rund 11,3 |
| 10 kWp | 1.500 €/kWp, 150 €/Jahr, WR 2.000 € | 20.750 € | 238.500 kWh | rund 8,7 |
| 15 kWp | 1.300 €/kWp, 180 €/Jahr, WR 2.500 € | 26.500 € | 357.750 kWh | rund 7,4 |
Das ist das Argument dafür, geeignete Dachflächen möglichst vollständig zu belegen: Auch wenn ein Teil des zusätzlichen Stroms eingespeist wird, sinken die Kosten jeder erzeugten Kilowattstunde. Ob das für Ihr Dach aufgeht, zeigt PV-Anlage: Größe berechnen.
Was ein Speicher pro Kilowattstunde kostet
Speicherstrom hat eigene Gestehungskosten, die sich auf die Solar-Kilowattstunde aufaddieren. Ein 8-kWh-Speicher für 5.600 € (700 €/kWh), der im Jahr etwa 1.300 kWh zusätzlich in den Abend verschiebt und 15 Jahre hält, kommt auf 5.600 € ÷ 19.500 kWh ≈ 29 ct je gespeicherter kWh – Wirkungsgradverluste noch nicht eingerechnet. Zusammen mit den knapp 9 ct für die Erzeugung liegt eine Kilowattstunde aus dem Speicher damit in der Nähe des Netzstrompreises.
Das ist keine Absage an Speicher, sondern eine Einordnung: Sie rechnen sich über hohe Zyklenzahlen, sinkende Preise pro kWh oder die Kombination mit Wärmepumpe und Elektroauto, nicht über die Grundrechnung allein. Details unter Stromspeicher: sinnvoll und in welcher Größe.
Typische Fehler beim Selberrechnen
- Nur die Moduldaten nehmen: Die Nennleistung auf dem Datenblatt ist kein Jahresertrag. Maßgeblich ist eine Ertragsprognose für Ihr Dach, die Ausrichtung, Neigung und Verschattung berücksichtigt.
- Laufende Kosten weglassen: 150 Euro im Jahr wirken klein, machen über 25 Jahre aber rund 1,6 ct je kWh aus.
- Speicher in die Anlagenkosten mischen: Wer Speicher und Module in einer Summe durch den Solarertrag teilt, verwischt, welcher Teil was kostet. Getrennt rechnen ist aufschlussreicher.
Welche Stellschrauben Sie selbst beeinflussen
- Ertrag: Ausrichtung, Verschattung und Schnee bestimmen den Nenner. Im Münchner Raum reicht die Spanne von etwa 1.000 bis 1.150 kWh/kWp bei Südausrichtung; ein Ost-West-Dach liegt 10 bis 15 Prozent darunter.
- Lebensdauer: Wer mit 30 statt 25 Jahren rechnet, senkt die Kosten je kWh spürbar. Module halten das in der Regel, siehe Lebensdauer und Degradation.
- Investition: Ein um 200 €/kWp günstigeres Angebot senkt die unverzinsten Kosten der 10-kWp-Anlage um rund 0,8 ct/kWh – sofern Qualität und Leistungsumfang gleich sind.
Eine Rechnung mit den Werten Ihres Daches und Ihres Angebots erstellen wir im Rahmen der Photovoltaik-Beratung, einschließlich Varianten mit und ohne Speicher. Anfrage stellen


