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Ratgeber

Wie groß sollte meine PV-Anlage sein?

Anlagengröße in kWp berechnen: Stromverbrauch, Dachfläche und künftige Verbraucher richtig gewichten – mit Rechenbeispiel für ein Einfamilienhaus in München.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Wie groß sollte meine PV-Anlage sein?

Die meisten Anfragen beginnen mit einer Zahl: „Wir verbrauchen 4.000 kWh im Jahr – wie viel Photovoltaik brauchen wir?“ Die Frage ist berechtigt, führt aber leicht zu einer zu kleinen Anlage. Denn der heutige Verbrauch ist nur eine von drei Größen, die zusammen bestimmen, was auf Ihr Dach gehört.

Die beiden anderen sind die verfügbare Dachfläche und das, was in den nächsten 20 Jahren an Stromverbrauchern hinzukommt. Wer alle drei nebeneinanderlegt, landet bei einem Einfamilienhaus im Raum München fast immer zwischen 7 und 14 kWp.

Die Grundrechnung: Ertrag je Kilowatt-Peak

Ein Kilowatt-Peak (kWp) ist die Nennleistung der Module unter Laborbedingungen. Was daraus über ein Jahr wird, hängt von Standort, Ausrichtung und Neigung ab. Im Münchner Raum liefert 1 kWp bei Südausrichtung und rund 30 Grad Neigung etwa 1.000 bis 1.150 kWh pro Jahr. Bei einer Ost-West-Belegung sind es etwa 10 bis 15 Prozent weniger, dafür verteilt sich der Strom gleichmäßiger über den Tag.

Als Flächenbedarf können Sie mit etwa 5 bis 6 m² Dachfläche je kWp rechnen. Aktuelle Module mit 420 bis 450 Watt messen rund 1,7 × 1,1 Meter. Ein Satteldach mit einer nutzbaren Südseite von 50 m² trägt also realistisch 8 bis 10 kWp – nach Abzug von Randabständen, Dachfenstern und Kamin.

Verbrauch heute und in zehn Jahren

Die Jahresabrechnung Ihres Versorgers zeigt den heutigen Bedarf. Entscheidend ist aber, was sich absehbar ändert. Eine Wärmepumpe und ein Elektroauto verdoppeln den Strombedarf eines Haushalts nicht selten.

HaushaltJahresverbrauchSinnvolle Anlagengröße
2 Personen, kein E-Auto2.500–3.500 kWh5–8 kWp
4 Personen, kein E-Auto4.000–5.000 kWh8–10 kWp
4 Personen + E-Auto (12.000 km)6.000–7.500 kWh10–12 kWp
4 Personen + E-Auto + Wärmepumpe10.000–12.500 kWh12–16 kWp, soweit das Dach es hergibt

Die Tabelle ist bewusst großzügig. Sie deckt nicht den Jahresverbrauch „eins zu eins“, denn das funktioniert zeitlich ohnehin nicht: Im Juni produziert die Anlage ein Vielfaches des Dezemberertrags. Wie viel Sie davon selbst nutzen, erklärt der Beitrag zu Eigenverbrauch und Autarkiegrad.

Rechenbeispiel: Doppelhaushälfte in Pasing

Familie mit zwei Kindern, 4.500 kWh Verbrauch, E-Auto in drei Jahren geplant, Gasheizung Baujahr 2008. Das Dach ist nach Südsüdwest ausgerichtet, 35 Grad Neigung, nutzbare Fläche etwa 45 m².

  • Dachgrenze: 45 m² ergeben rund 20 Module à 440 W, also 8,8 kWp.
  • Ertrag: 8,8 kWp × rund 1.080 kWh = etwa 9.500 kWh pro Jahr.
  • Künftiger Bedarf: 4.500 kWh Haushalt + ca. 2.000 kWh E-Auto = 6.500 kWh, später eventuell plus Wärmepumpe.
  • Ergebnis: Das Dach vollständig belegen. Eine kleinere Anlage mit 6 kWp würde kaum Geld sparen, weil Gerüst, Wechselrichter, Zählerarbeiten und Anmeldung ohnehin anfallen.

Das Beispiel zeigt den typischen Verlauf: Bei Einfamilienhäusern ist meistens das Dach die Grenze, nicht der Verbrauch.

Wann eine kleinere Anlage besser ist

Das Dach voll zu belegen ist die Regel, aber kein Automatismus. Gegen eine Vollbelegung sprechen:

  • Teilflächen mit starker Verschattung, etwa durch Nachbargebäude oder Bäume auf der Westseite. Diese Module kosten fast so viel wie gut besonnte, liefern aber deutlich weniger.
  • Nordseiten mit mehr als etwa 20 Grad Neigung. Sie bringen je nach Neigung nur 55 bis 70 Prozent des Südertrags.
  • Ein Dach, das in wenigen Jahren saniert werden muss. Dann lohnt sich zuerst die Frage, ob die Sanierung vorgezogen wird.

Grenzen, die das Recht zieht

Einige Schwellenwerte beeinflussen die Planung spürbar:

  • 30 kWp: Bis zu dieser Größe gilt auf Wohngebäuden der Nullsteuersatz bei der Umsatzsteuer, und die Erträge sind je Wohn- oder Gewerbeeinheit einkommensteuerfrei.
  • Solarspitzengesetz: Für Neuanlagen ohne Smart Meter und Steuerbox ist die Einspeisung auf 60 Prozent der Modulleistung begrenzt. Bei gutem Eigenverbrauch oder mit Speicher fällt der Verlust gering aus, bei großen Anlagen mit wenig Verbrauch spürbarer. Details im Beitrag zum Solarspitzengesetz.
  • Wechselrichterleistung: Sie wird häufig etwas kleiner als die Modulleistung gewählt, etwa 0,8 bis 1,0 kW je kWp. Das ist üblich und kostet kaum Ertrag, weil die Module die Nennleistung selten erreichen.

Und der Speicher?

Die Speichergröße ergibt sich aus Anlage und Abendverbrauch, nicht umgekehrt. Als grobe Orientierung gelten 1 bis 1,5 kWh Speicherkapazität je kWp. Ein 9-kWp-Dach passt also meist zu 8 bis 12 kWh. Größere Speicher werden im Winter oft nicht voll und verlängern die Amortisation. Mehr dazu unter Stromspeicher: sinnvolle Größe.

Welche Unterlagen die Rechnung genauer machen

Je besser die Ausgangsdaten, desto belastbarer das Ergebnis. Hilfreich sind die Stromabrechnungen der letzten zwei bis drei Jahre, Fotos oder Pläne der Dachflächen und – falls vorhanden – Lastgangdaten eines digitalen Zählers. Planen Sie eine Wärmepumpe, genügt für den Anfang der bisherige Gas- oder Ölverbrauch; daraus lässt sich der künftige Strombedarf abschätzen. Beim E-Auto zählt die Jahresfahrleistung und die Frage, ob das Fahrzeug tagsüber zu Hause steht.

Drei Fehler, die wir häufig sehen

  1. Nur den heutigen Verbrauch zugrunde legen. Eine Anlage nachträglich zu erweitern, kostet deutlich mehr als sie gleich passend zu bauen.
  2. Autarkie über 80 Prozent erwarten. In München sind mit Speicher 50 bis 70 Prozent realistisch, der Winter setzt die Grenze.
  3. kWp mit kWh verwechseln. kWp beschreibt die Leistung der Module, kWh die Energie über einen Zeitraum. Ein Angebot sollte immer beides nennen, dazu den erwarteten Jahresertrag.

Wenn Sie eine Wärmepumpe planen oder bereits haben, gelten eigene Überlegungen zu Winterertrag und Neigung – dazu der Beitrag Photovoltaik und Wärmepumpe kombinieren.

Wir rechnen die Größe mit Ihren Verbrauchsdaten, einem Belegungsplan und einer Ertragssimulation für Ihren Standort durch. Das ist Teil unserer Photovoltaik-Beratung. Anfrage stellen

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