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Ratgeber

Wie viel Solarstrom liefert eine Anlage in München?

Ertrag je kWp in München und Oberbayern nach Ausrichtung, Neigung und Monat – mit realistischen Spannen statt Prospektwerten und Hinweisen zu Schnee.

Münchener Photovoltaik4 Min. Lesezeit
Wie viel Solarstrom liefert eine Anlage in München?

Rund 1.000 bis 1.150 Kilowattstunden je Kilowatt-Peak und Jahr – das ist die Spanne, die eine gut geplante, nach Süden ausgerichtete Anlage mit etwa 30 Grad Neigung im Münchner Raum erreicht. Eine Anlage mit 10 kWp erzeugt damit grob 10.000 bis 11.500 kWh im Jahr.

Diese Zahl ist ein Mittelwert. Wie viel Ihre Anlage tatsächlich liefert, hängt von Dachrichtung, Neigung, Verschattung, der Höhenlage und nicht zuletzt vom Wetter des jeweiligen Jahres ab. Einzelne Jahre weichen durchaus um 5 bis 10 Prozent vom langjährigen Mittel ab.

Warum München vergleichsweise gut dasteht

Südbayern gehört zu den sonnenreicheren Regionen Deutschlands. Die jährliche Globalstrahlung liegt im Großraum München bei rund 1.150 bis 1.250 kWh je Quadratmeter horizontaler Fläche, Richtung Alpen tendenziell etwas höher. Norddeutsche Standorte liegen meist darunter.

Hinzu kommt ein Effekt, der oft unterschätzt wird: Solarmodule arbeiten bei niedrigen Temperaturen effizienter. Klare, kühle Frühjahrstage mit hoher Einstrahlung bringen deshalb überdurchschnittliche Erträge, während an heißen Hochsommertagen die Zelltemperatur die Leistung spürbar drückt.

Ertrag nach Ausrichtung und Neigung

Die folgenden Werte sind Richtwerte für den Raum München ohne nennenswerte Verschattung. Sie ersetzen keine Ertragsprognose für ein konkretes Dach.

Ausrichtung / NeigungErtrag je kWp und JahrAnteil am Optimum
Süd, 30–35°ca. 1.000–1.150 kWh100 %
Südost oder Südwest, 30°ca. 950–1.100 kWhrund 95 %
Ost-West, 20–30°ca. 870–1.000 kWhrund 85–90 %
Flachdach Ost-West, 10–15° aufgeständertca. 850–980 kWhrund 85 %
Süd, senkrecht (Fassade)ca. 700–800 kWhrund 70 %

Ost-West-Dächer liefern zwar weniger Jahresertrag, verteilen ihn aber gleichmäßiger über den Tag. Für den Eigenverbrauch kann das günstiger sein als eine Mittagsspitze. Den Vergleich im Detail finden Sie unter Ost-West oder Süd.

Wie sich der Ertrag übers Jahr verteilt

Wer eine PV-Anlage plant, sollte wissen, wie ungleich der Ertrag über die Monate verteilt ist. Für eine 10-kWp-Anlage mit Südausrichtung ergibt sich im Münchner Raum grob folgendes Bild:

  • Dezember und Januar: jeweils etwa 2–4 % des Jahresertrags, also 200 bis 400 kWh im Monat – bei geschlossener Schneedecke auch nahe null.
  • Februar, März, Oktober, November: zusammen etwa ein Fünftel des Jahresertrags, mit großen Unterschieden je nach Nebel und Schnee.
  • April bis September: rund drei Viertel des Jahresertrags, Spitzenmonate Mai bis Juli mit jeweils 1.200 bis 1.400 kWh.

Für die Auslegung eines Speichers oder die Kombination mit einer Wärmepumpe ist diese Verteilung wichtiger als die Jahressumme. Im Winter liefert die Anlage wenig, genau dann, wenn der Strombedarf am höchsten ist. Was im Winter realistisch ist und wie sich Schnee auswirkt, beschreibt der Beitrag Photovoltaik im Winter.

Regionale Unterschiede in Oberbayern

Alpenvorland und Höhenlagen

Im südlichen Oberbayern, etwa Richtung Tegernsee, Garmisch-Partenkirchen oder Berchtesgadener Land, ist die Einstrahlung tendenziell höher. Winterliche Inversionslagen bringen hier oft Sonne über dem Nebel, während es in der Ebene grau bleibt. Dafür liegt mehr Schnee länger auf den Modulen, und die Schneelast ist statisch deutlich relevanter. Welche Anforderungen das an Unterkonstruktion und Dach stellt, steht unter Statik und Schneelast in Bayern.

Flussniederungen und Donauraum

Entlang von Isar, Amper und besonders im nördlichen Oberbayern Richtung Donau gibt es im Herbst und Winter häufiger Nebeltage. Das senkt die Wintererträge, auf das Jahr gerechnet fällt es aber weniger ins Gewicht als oft befürchtet.

Stadtgebiet

In der Stadt selbst begrenzen eher Nachbargebäude, Bäume, Dachaufbauten und Gauben den Ertrag als das Klima. Eine Verschattungsanalyse ist im dicht bebauten Gebiet deshalb wichtiger als im freistehenden Umland. Schon ein einzelner Kamin, der im Winter mittags einen Schatten über zwei Module wirft, kann den Ertrag eines ganzen Strangs drücken, wenn keine Optimierer oder getrennten Stränge eingeplant sind. Hinzu kommt Feinstaub, der sich in der Stadt etwas stärker auf flach geneigten Modulen absetzt – bei üblichen Neigungen reinigt der Regen die Flächen aber weitgehend selbst.

Was eine seriöse Ertragsprognose ausmacht

Ertragsprognosen in Angeboten werden mit Simulationssoftware und langjährigen Wetterdaten berechnet. Sie sind nur so gut wie die Eingaben. Achten Sie auf:

  • den verwendeten Standort und die Wetterdatenbasis,
  • berücksichtigte Verschattung durch Kamin, Gauben, Nachbarbebauung,
  • Annahmen zu Verlusten durch Wechselrichter, Leitungen und Temperatur,
  • die jährliche Moduldegradation für Rechnungen über 20 Jahre.

Prognosen deutlich über 1.200 kWh je kWp für Süddächer im Münchner Flachland sind optimistisch und sollten erklärt werden können. Wie Sie aus dem erwarteten Ertrag die passende Anlagengröße ableiten, zeigt der Beitrag PV-Anlage: Größe berechnen.

Ertrag im Betrieb kontrollieren

Nach der Inbetriebnahme lohnt sich ein Abgleich mit der Prognose – allerdings nicht Monat für Monat, sondern über mindestens ein volles Jahr. Ein Monitoring-System zeigt Ausreißer früh: Liegt ein Strang deutlich unter dem anderen oder fällt der Ertrag bei gutem Wetter ab, deutet das auf einen Defekt, Verschmutzung oder neue Verschattung hin. Hinweise zur Auswertung gibt der Beitrag Monitoring und Ertragskontrolle.

Eine Ertragsprognose für Ihr konkretes Dach – mit Ausrichtung, Neigung und Verschattung – erstellen wir im Rahmen der Photovoltaik-Beratung. Wenn Sie Ihr Dach einschätzen lassen möchten: Anfrage stellen.

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