Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition, die sich über Jahre in kleinen Beträgen zurückzahlt. Das macht sie im Prinzip gut finanzierbar: Die Ersparnis bei der Stromrechnung kann einen großen Teil der Kreditrate tragen. Ob Kredit oder Eigenkapital günstiger ist, hängt aber an Zinsen, Laufzeit und daran, was Ihr Geld sonst bringen würde.
Die Ausgangslage im Beispiel
Wir rechnen mit einer 10-kWp-Anlage für 15.000 Euro (1.500 €/kWp, Nullsteuersatz, ohne Speicher). Sie erzeugt rund 10.000 kWh im Jahr. Bei 25 Prozent Eigenverbrauch, 34 ct Strompreis und angenommenen 7,5 ct Einspeisevergütung ergibt sich:
- 2.500 kWh selbst genutzt × 0,34 € = 850 €
- 7.500 kWh eingespeist × 0,075 € = 562 €
- abzüglich 120 € laufender Kosten
- Nettovorteil: rund 1.290 € im Jahr
Diese Zahl ist der Maßstab, an dem sich jede Finanzierung messen lassen muss. Woher die Annahmen kommen, erklärt Lohnt sich Photovoltaik? Amortisation gerechnet.
Option 1: Kauf aus Eigenkapital
Die einfachste Variante. Es fallen keine Zinsen an, die Anlage amortisiert sich in unserem Beispiel nach gut 11,5 Jahren. Die Kosten entstehen trotzdem – als entgangener Zins. 15.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto zu angenommenen 2,5 Prozent brächten rund 375 Euro im Jahr, vor Steuern. Die Anlage bringt 1.290 Euro. Solange die Photovoltaik mehr abwirft als die sichere Alternative, ist Eigenkapital meist die wirtschaftlichste Lösung.
Halten Sie trotzdem eine Reserve zurück. Wer seine gesamte Liquidität ins Dach steckt, gerät bei einer Heizungsreparatur schnell unter Druck.
Option 2: Kredit
Bei einem Annuitätendarlehen über 15.000 Euro und einem angenommenen effektiven Jahreszins von 5 Prozent sieht die Rechnung so aus:
| Laufzeit | jährliche Rate | Zinsen gesamt | Cashflow pro Jahr während der Laufzeit |
|---|---|---|---|
| 10 Jahre | rund 1.940 € | rund 4.430 € | etwa −650 € |
| 15 Jahre | rund 1.445 € | rund 6.680 € | etwa −155 € |
Bei 15 Jahren Laufzeit trägt sich die Anlage fast selbst, die Zinslast ist aber spürbar höher. Nach Ende des Kredits bleiben rund 1.290 Euro Vorteil pro Jahr für die restliche Lebensdauer. Über 25 Jahre gerechnet schrumpft der Gesamtüberschuss durch den Kredit also um die gezahlten Zinsen – er bleibt aber positiv, solange Ertrag und Strompreis ungefähr den Annahmen entsprechen.
Welche Kreditarten infrage kommen
- KfW-Kredit 270 „Erneuerbare Energien – Standard“: über die Hausbank, lange Laufzeiten und tilgungsfreie Anlaufjahre möglich. Der Zins richtet sich nach Bonität und Besicherung. Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden, also vor der Auftragserteilung.
- Ratenkredit der Hausbank oder Direktbank: schnell und ohne Grundbucheintrag, meist etwas teurer.
- Aufstockung der Baufinanzierung: bei Neubau oder Anschlussfinanzierung oft der günstigste Zins, weil grundpfandrechtlich besichert. Die lange Laufzeit kann aber dazu führen, dass Sie die Anlage länger abbezahlen, als der Wechselrichter hält.
- Modernisierungskredit ohne Grundbuch: einige Banken bieten Sonderkonditionen für energetische Maßnahmen an.
Kommunale oder regionale Zuschüsse, die parallel genutzt werden können, prüfen wir im Einzelfall; einen Überblick gibt Förderung für Photovoltaik in München und Bayern.
Option 3: Miete oder Pacht
Statt zu kaufen, lässt sich eine Anlage auch mieten. Das vermeidet die Anfangsinvestition, ist über die Laufzeit aber meist teurer als ein Kredit. Worauf Sie achten sollten, beschreibt Photovoltaik mieten oder pachten.
Welche Entscheidung zu wem passt
| Situation | naheliegende Wahl |
|---|---|
| Rücklagen vorhanden, Reserve bleibt | Eigenkapital |
| Neubau oder Anschlussfinanzierung steht an | in die Baufinanzierung einbinden, Laufzeit prüfen |
| kein Eigenkapital, stabile Einkünfte | KfW 270 oder Ratenkredit, Laufzeit 10 bis 15 Jahre |
| Teil Eigenkapital, Teil Kredit | Speicher später nachrüsten statt mitfinanzieren |
Der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit: Ein Speicher verlängert die Amortisation meist, ein Kredit dafür verlängert sie zusätzlich. Mit einem Hybrid-Wechselrichter lässt sich der Speicher später ohne großen Umbau nachrüsten, wenn die Kasse es erlaubt.
Steuern und Nebenkosten der Finanzierung
Für Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden fällt keine Umsatzsteuer an, und die Erträge sind in der Regel einkommensteuerfrei. Das vereinfacht die Rechnung: Sie finanzieren den Bruttopreis, der dem Nettopreis entspricht, und müssen keine Steuer auf die Ersparnis einplanen. Kreditzinsen lassen sich dann allerdings auch nicht steuerlich absetzen. Mehr dazu unter Nullsteuersatz und Einkommensteuer.
Achten Sie beim Kreditvertrag auf Sondertilgungen: Wer jedes Jahr die Einspeisevergütung zusätzlich tilgt, verkürzt die Laufzeit und spart Zinsen.
Worauf die Bank achtet
Für die Kreditentscheidung braucht die Bank in der Regel ein verbindliches Angebot mit Leistungsbeschreibung, bei KfW-Mitteln zusätzlich die Angaben zur Anlage für den Förderantrag. Bei Beträgen um 15.000 Euro verlangen die meisten Institute keine Grundschuld, prüfen aber Einkommen und bestehende Verpflichtungen. Hilfreich ist eine nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsrechnung, die zeigt, dass Ersparnis und Rate in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Legen Sie Wert darauf, dass die Auszahlung an den Baufortschritt gekoppelt ist und nicht vollständig vor der Montage erfolgt.
Warten auf günstigere Preise?
Ein Jahr Aufschub kostet in unserem Beispiel rund 1.290 Euro entgangene Ersparnis. Dass die Anlagenpreise in diesem Zeitraum um mehr als diesen Betrag fallen, ist nach den starken Preisrückgängen der letzten Jahre nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht ausgeschlossen. Die Einspeisevergütung sinkt halbjährlich in jedem Fall.
Wie viel die Anlage auf Ihrem Dach kostet und welche Förderkredite Sie nutzen können, klären wir in der Förderberatung – mit einem Angebot, das Sie direkt Ihrer Bank vorlegen können. Einen Überblick über typische Preise gibt vorab Was kostet eine Photovoltaikanlage 2026? Anfrage stellen



